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Hot Corner: Nach der Tupper-Party

Seit mehr siebzig Jahren verkauft Tupperware die berühmten Plastikdosen. Jetzt müssen es neue Produkte richten.

Gabriella Hunter

Plastikdosen liegen nicht mehr im Trend. Diesen Eindruck könnten Beobachter gewinnen, wenn sie die mehrjährige Performance der Aktien von Tupperware Brands (New York: TUP, Börsenwert: 1,29 Mrd. $, Kurs: 26.45 $) anschauen. Seit dem Hoch im Sommer 2017 bei mehr als 73 $ kannte die Bewertung nur eine Richtung: nach unten.

Tatsächlich kämpft das Unternehmen aus Massachusetts mit einem schwindenden Umsatz. Die Verkäufe waren zuletzt rückläufig. Tupperware erwirtschaftete 2018 noch 2,07 Mrd. $ – nach 2,26 Mrd. im Vorjahr. Immerhin erzielte der Hersteller von Haushaltsartikeln wieder einen Gewinn von 156 Mio. nach einem dreistelligen Millionenverlust für das Gesamtjahr 2017. Die vierteljährlich ausgezahlte Dividende wurde dennoch mehr als halbiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das vom Amerikaner Earl Tupper entworfene Plastikgeschirr zum Hit geworden. Bis dahin waren alle Behälter im Haushalt aus Glas oder Metall und entsprechend unhandlich. An sogenannten Tupperware-Partys brachte der findige Unternehmer die farbigen Dosen und Behälter aus Kunststoff an die moderne Hausfrau. Sie galt als Qualitätsware und suchte ihresgleichen.

Diese Zeiten sind vorbei. Zwar gibt es die Verkaufsveranstaltungen unter Freunden immer noch. Längst sind aber unzählige Nachahmerprodukte in den Läden erhältlich – und das zum Teil deutlich günstiger. Tupperware hat sein Sortiment deshalb stetig ausgebaut: Es gibt zum Beispiel Steamer-Dosen, die in der Mikrowelle zum Garen benutzt werden können.

Auch im ersten Quartal 2019 erwartet das Management einen rückläufigen Umsatz. Doch danach soll es aufwärtsgehen. 100 Mio. $ will das Unternehmen bis 2022 in den Marktausbau und neue Produkte investieren – bisher scheint das zu gelingen. Rund ein Viertel des Umsatzes stammt heute von Haushaltsartikeln, die Tupperware in den vergangenen zwei Jahren eingeführt hat. Dabei liegt der Fokus auf den Schwellenländern. In den Regionen Südostasien und Südamerika erwirtschaftet Tupperware mittlerweile zwei von drei Dollar.

Die Aktien sind nach dem jüngsten Kurseinbruch infolge der Jahreszahlen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7 für 2019 sehr tief bewertet. Risikofreudige Anleger können auf einen Turnaround setzen.

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