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Hot Corner: Software-Update für Versicherer

Guidewire hat sich als führendes Insuretech-Unternehmen etabliert. Auch in der Schweiz ist das Potenzial für den Software-Spezialisten gross.

Eflamm Mordrelle

Nicht nur Banken stecken dieser Tage Millionen in die Erneuerung der IT-Infrastruktur. Auch die Versicherungsbranche ist dabei, ihre Daten und Anwendungen technologisch zukunftsfähig zu machen. Ein Nutzniesser dieses Trends ist der US-Versicherungssoftware-Spezialist Guidewire (NYSE: GWRE; Börsenwert: 8,39 Mrd. $, Kurs: 101.30 $).
Guidewire wurde 2001 nahe San Francisco von ehemaligen Mitarbeitern des Cloud-Spezialisten Ariba (heute SAP) und McKinsey gegründet. Das heute rund 2300 Mitarbeiter zählende Unternehmen kam im Januar 2012 an die US-Börse und wurde mit Enthusiasmus empfangen – die Aktien verteuerten sich am ersten Handelstag gleich ein Drittel. Aus dem ersten Handelspreis von damals 13 $ sind heute über 100 $ geworden, also fast achtmal so viel.

Auch Schweizer Kunden

Der Börsenerfolg hat für Guidewire auch mit der Schweiz zu tun. Einer der ersten globalen Kunden, den der «Insuretech»-Spezialist beim Börsengang vorweisen konnte, ist Zurich Insurance. Die Gruppe setzt in Japan, Grossbritannien und in der Schweiz Guidewire-Lösungen ein. Auch Baloise ist hierzulande Kunde. Ansonsten hat sich Guidewire bisher vor allem im US-Markt einen Namen gemacht. Dort zählen der Versicherungsgigant Nationwide und Dutzende mittelgrosse Versicherungsgesellschaften zum Kundenstamm.
Was macht die Guidewire-Anwendungen so populär? Ähnlich wie die Banken sind auch Versicherer auf eine umfassende IT-Infrastruktur angewiesen, um die Geschäftsbeziehungen mit ihren zigtausend Kunden zu regeln. Versicherer wollen interne Prozesse digital abbilden und Kundenkontrakte verwalten. Über lange Zeit – Versicherungskontrakte können Jahrzehnte dauern – haben die Gesellschaften ihre eigenen, oft wild wuchernden IT-Infrastrukturen aufgebaut, die sehr kostenintensiv im Unterhalt sind und selten den Ansprüchen einer modernen, mobilen Digitallandschaft entsprechen.

(K)ein Selbstläufer

Hier setzt Guidewire an. Dank standardisierten Softwarepaketen, die zentral weiterentwickelt und auslizenziert werden, können Versicherer auf eine moderne Softwareumgebung zurückgreifen, ohne selbst Entwicklungs- und Unterhaltsressourcen im Haus haben zu müssen. Sie können die Software vor Ort oder über die Cloud als Subskriptionsdienst beziehen. Nebst Anwendungen, die die Kernprozesse abwickeln – also Vertragsabschluss, Policenverwaltung oder Abrechnungswesen –, können zusätzliche Module angedockt werden, etwa für die Daten- und Risikoanalyse.
In der Schweiz ist das Potenzial für Guidewire gross. Das Geschäft ist aber kein Selbstläufer. Die Mobiliar-Versicherung etwa will in den nächsten Jahren 250 Mio. Fr. in die IT stecken, das meiste aber immer noch selbst entwickeln. Und bei der IT-Erneuerung der Helvetia zog Guidewire gegen einen lokalen Anbieter, Adcubum, den Kürzeren.
Auch wenn es in der Schweiz Widerstände gibt, geht Guidewire weiter von starkem Wachstum aus. Der Umsatz soll bis in fünf Jahren von 750 Mio. $ auf 1,3 Mrd. anschwellen und die Betriebsmarge von 15 auf 28% zulegen. Sollten sich diese Ambitionen erfüllen lassen, macht auch die hohe Aktienbewertung (KGV 2020: 77) mehr Sinn.

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