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Hot Corner: Nicht auf Sand gebaut

Dangote Cement ist zwar einiges kleiner als LafargeHolcim. Doch punkto Profitmarge und Bilanzqualität ist der nigerianische Zementkonzern dem Branchenleader klar voraus.

Arno Schmocker

Thomas Schmidheiny ist der Zementbaron der Schweiz. Der von Nigeria heisst Aliko Dangote. Der wohlhabendste Afrikaner hat südlich der Sahara ein Konglomerat aufgebaut, das zu den am schnellsten wachsenden des Kontinents zählt. Basis ist das Zementgeschäft.

Dangote Cement (NSE All Share: DANGCEM, Kurs 239.80 NGN, Marktkapitalisierung umgerechnet 11,3 Mrd. $) ist ein Schwergewicht in Lagos. Das Unternehmen macht 30% des Börsenwerts von Nigeria aus, dem mit 190 Mio. Einwohnern bevölkerungsreichsten Land des Kontinents.

Aliko Dangote gilt den einen als Vorbild, weil er mit Investitionen einen Beitrag an die wirtschaftliche Entwicklung seiner Heimat leistet und so die hohe Abhängigkeit vom Import verringert. Die anderen monieren die Dominanz (65% Marktanteil in Nigeria) des Unternehmens und die Nähe Dangotes zur politischen und militärischen Macht.

Das Wort Korruption ist rasch zur Hand. Nun, ohne Beziehungen läuft im Zementgeschäft wenig. Der Sechzigjährige pflegt auch welche am Wef in Davos.

In zehn Jahren 13 Zementwerke gebaut

Das erste Zementwerk stellte Aliko Dangote 2007 hin. Mittlerweile sind es dreizehn Anlagen in zehn Ländern mit einer Jahreskapazität von 46 Mio. Tonnen, etwa einem Siebtel derjenigen von LafargeHolcim (LHN 49.54 -1.51%). Der weltweit grösste Zementproduzent bringt an der Börse nur dreimal mehr auf die Waage.

Dangote Cement ist ungleich profitabler und verfügt über eine solidere Bilanz. Sie zeichnet sich durch 47% Eigenkapitalanteil und die Absenz eines branchentypisch milliardenschweren Goodwills aus. Das Verhältnis Nettoschulden zu Betriebsgewinn Ebitda beträgt bloss 0,5. Die Grössten geben sich und haben Mühe, unter 2 zu kommen.

Dank monopolistischer Marktstellung und modernen Werken erwirtschaftet das Unternehmen Profitmargen, von denen die beiden führenden Branchenrepräsentanten, LafargeHolcim und HeidelbergCement (HEI 73.3 -2.34%), nur träumen können. 2017 resultierte eine doppelt so hohe Ebitda-Spanne von 47%.

IPO in London im Visier

Dangote Cement hat ein Rekordjahr hinter sich. Der Umsatz stieg 31%, der Ebitda 51% und der Gewinn je Aktie 33%. Im ersten Quartal 2018 setzte sich der Trend fort: Umsatz +16%, Ebitda +22%, Gewinn je Aktie +24%.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 sind die Aktien wie LafargeHolcim bewertet. Sie werfen eine hohe Dividendenrendite von 4,4% ab.

Von fünfzehn Finanzanalysten, die Dangote Cement regelmässig verfolgen, empfehlen nur drei die Aktien zum Kauf.

Vielleicht lohnt es sich tatsächlich abzuwarten: Dangote plant eine Kotierung an der Börse London bis 2020. Quasi als Vorbereitung hat er Ex-Xstrata-CEO Mick Davis und Anwältin Cherie Blair, Ehefrau des früheren Premierministers Tony Blair, in den Verwaltungsrat berufen.

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