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Hot Corner: Mit Alterspflege auf Expansion

Orpea, die französische Betreiberin von Alters- und Pflegeheimen, profitiert von der demografischen Entwicklung. Der Konzern ist auch in der Schweiz aktiv.

Eflamm Mordrelle

Die Menschen in der Schweiz und in Europa werden immer älter. Die Zahl der über Achtzigjährigen wird sich hierzulande von heute über 400 000 auf 880 000 im Jahr 2040 mehr als verdoppeln. Immer mehr ältere Menschen – dies bedeutet auch mehr Pflegebedarf. Gemäss einer Studie der Credit Suisse (CSGN 13.1 2.1%) dürften sich die Pflegeheimausgaben als Anteil des Schweizer Bruttoinlandprodukts bis 2060 fast verdreifachen – von heute 1,3% auf 3,8%.

Eine Nutzniesserin dieser unaufhaltsamen Entwicklung ist die französische Betreiberin von Altersresidenzen und Pflegeheimen Orpea (Euronext: ORP, Börsenwert: 6,63 Mrd. €). Die 1989 durch den Neuropsychiater Jean-Claude Marian gegründete Gruppe unterhält in zehn europäischen Ländern mehr als 82 000 Betten in fast achthundert Pflegeeinrichtungen. 2012 waren es halb so viele – Orpea setzt voll auf Expansion.

Im fast gleichen Takt wie die Bettenzahl (+16% pro Jahr) hat Orpea in den letzten fünf Jahren Umsatz (+17%) und Betriebsgewinn gesteigert (+18%). Die entsprechende Marge betrug im letzten Semester rund 17%. Das Unternehmen ist daran, sich in Österreich, Italien und Tschechien zu etablieren, primär durch Akquisitionen. Als nächstes kommen China und Brasilien dran. In der Schweiz ist Orpea seit dem Erwerb einer psychiatrischen Klinik in Nyon 2006 aktiv.

Die Präsenz wurde 2014 mit dem Zukauf der Senevita-Pflegeheimkette massiv vergrössert. Hinter Tertianum (mit 72 Einrichtungen), die dem Immobilienkonzern Swiss Prime Site (SPSN 96.2 -0.88%) gehört, ist Senevita mit 27 Einrichtungen die zweitgrösste Schweizer Kette. Für Orpea ist die Schweiz zwar ein kleiner (5% von 2,9 Mrd. € Gruppenumsatz 2016), aber attraktiver Markt. Die Betriebsmargen sind hier mit Abstand die komfortabelsten im Unternehmen, auch nach dem jüngsten Zukauf der schweizweit aktiven Spitex für Stadt und Land in 2016.

Wer seinen Lebensabend in einem Zweizimmer-Studio in der Senevita-Siedlung Rebberg in Herrliberg verbringen will, muss dafür im Monat, Pflege eingerechnet, mindestens 7878 Fr. aufbringen. Die hohen Einnahmen täuschen. Die effektiven Kosten für qualifiziertes Personal sind sehr hoch. Die Betreiberin verdient nicht primär mit Pflegediensten Geld, sondern mit Hotellerie-Dienstleistungen.

Ein Selbstläufer ist das Geschäft nicht. Zudem hat jedes Land hat in der Alterspflege und dessen Finanzierung eigene, komplexe Regeln. Orpea ist auch stark vom Heimatland Frankreich und seinem Immobilienmarkt abhängig. Oft ist sie nicht nur Betreiberin, sondern auch Besitzerin der Heime. Die Aktien reagieren entsprechend sensitiv auf das Zinsumfeld.

Obwohl Prognosen von einer Verlangsamung des Umsatzwachstums ausgehen, sollten die komfortablen Gewinnmargen halten. Das Marktpotenzial ist besonders ausserhalb Europas noch lange nicht ausgeschöpft, und Orpea ist gut positioniert, um auch hier zu punkten.

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