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Hot Corner: Nikotin-Kick

Dass Rauchen gesundheitsschädigend ist, daran zweifelt heute niemand mehr. Aufklärungskampagnen und Verbote haben dazu beigetragen, dass zumindest im Westen der Zigarettenkonsum deutlich zurückgegangen ist.

Peter Rohner

Dennoch raucht im EU-Mittel noch immer fast jede dritte erwachsene Person.

Nur in Schweden liegt die Raucherquote signifikant tiefer, bei 13%. Folglich sterben dort nur halb so viele Patienten an Lungenkrebs wie in Mitteleuropa. Der Hauptgrund für die erfolgreiche Entrauchung ist Snus: ein kleiner Beutel mit fermentiertem Tabak, den sich die Schweden vom Szene-Hipster bis zum Professor unter die Oberlippe schieben.

Der Mundtabak hat die Zigarette als Hauptnikotinquelle verdrängt. Laut Experten hat Snus den Rauchern beim Entwöhnen besser geholfen als Nikotinersatztherapien. Heute snust jeder fünfte Schwede täglich, raucht aber nicht, oder nicht mehr – zum Vorteil der Gesundheit. Das Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen und nicht über die Lungenbläschen. Das ist weniger schädlich, wobei auch Snus nicht harmlos ist: Das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs etwa liegt in den Snus-Ländern Schweden und Norwegen deutlich höher.

Der führende Produzent von Snus ist das Stockholmer Traditionsunternehmen Swedish Match (SWMA 707.20 -1.24%). Streichhölzer und Feuerzeuge spielen beim Tabakkonzern eine immer kleinere Rolle. Der Geschäftszweig Snus und Kautabak steuerte letztes Jahr zwei Drittel zum Gesamtgewinn bei.

Das Problem von Swedish Match ist, dass ausserhalb von Schweden und Norwegen mit Snus nicht viel zu verdienen ist. In der EU und in der Schweiz ist der Verkauf wegen krebserregender Inhaltsstoffe verboten, und in den USA muss sich Snus gegen die Kautabaktradition durchsetzen.

Doch genau in dieser verzwickten Lage liegt der Reiz der Aktie. Wenn das Verbot in Europa fällt und die US-Gesundheitsbehörde die Anforderungen an die Warnhinweise lockert, eröffnen sich den Schweden ganz neue Möglichkeiten. Die Schädlichkeit des Zigarettenrauchs wird dazu führen, dass die Konsumenten nach Nikotinalternativen suchen. Dazu gehören die E-Zigarette oder eben auch der in Schweden bewährte Mundtabak. Irgendwann wird die EU ihre Tabakdirektive den medizinischen Erkenntnissen anpassen müssen: Entweder sie verbietet alle Tabakprodukte, oder sie lässt auch Snus zu.

Swedish Match sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 (Gewinn der letzten zwölf Monate) nicht besonders billig. Der kleine Aufschlag gegenüber anderen Tabakkonzernen ist jedoch gerechtfertigt, da die einstige Streichholzfabrik als Übernahmekandidatin gilt.