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Hot Corner: Noch kein Kater

Der Anbieter alkoholischer Getränke Kweichow Moutai lässt sich von der schwächelnden Konjunktur nicht beirren.

Ernst Herb, Hongkong

Chinas Wirtschaft hat an Dampf verloren und die Börse Schanghai weist eine erhöhte Volatilität auf. Doch was die Welt mit Sorge erfüllt, hat Kweichow Moutai (Shanghai: 600519:CH, 1193 Yuan, Börsenwert 211 Mrd. Fr.) bisher mit Achsenzucken weggesteckt. Der an der Börse Schanghai gelistete global wertvollste Anbieter alkoholischer Getränke hat zwar im dritten Quartal die sehr hohen Gewinnprognosen der Analysten mit einem Plus von 17,1% nicht erfüllt.

Doch lässt sich auch dieses Resultat gerade auch im angesichts des schwieriger gewordenen Marktumfelds mehr als sehen. In demselben Zeitraum ist der Gewinn chinesischer Industrieunternehmen im Schnitt 5,3% gefallen. Der anhaltende gute Geschäftsgang des Getränkekonzerns lässt sich auch am Aktienkurs ablesen, der im Verlauf der vergangenen zwölf Monate mehr als 120% gestiegen ist.

Teuerste Aktien Chinas

Kweichow Moutai hat schon mehrmals Geschichte geschrieben. Im Juni hat der Aktienkurs die Marke von 1000 Yuan durchbrochen. Damit wurden sie die teuersten je an den Festlandbörsen gehandelten Titel. Gemessen an der Marktkapitalisierung ist der Konzern  neben den grossen IT-Konzernen Alibaba (BABA 257.94 2.76%) und Tencent (Tencent 69.6 1.62%) auch das wertvollste kotierte chinesische Unternehmen.

Über die Landesgrenze hinaus bekannt geworden ist die staatlich kontrollierte Gesellschaft durch das stärkstes Zugpferd Moutai Flying Fairy. Der aus Hirse und Weizen (Weizen 164 -0.06%) gebrannte Schnaps enthält 55 Volumenprozent Alkohol. Mit diesem potenten Getränk stossen die Reichen und Mächtigen Chinas gerne bei Staatsbanketten, Geschäftsabschlüssen oder auch Familienfesten an.

211 Fr. für eine Flasche

Die Flasche kostet 1500 Yuan – umgerechnet 211 Fr. –, wobei die Nachfrage meist das Angebot übersteigt. Das nicht nur wegen der Trinkfreude der 1,3 Mrd. chinesischen Konsumenten, sondern weil Moutai zu einer Anlageklasse mutiert ist. Damit hat sich auch ein Sekundärmarkt gebildet, auf dem der Branntwein zu einem weit höheren Preis verkauft wird. Moutai ist damit in die Liga französischer Designerhandtaschen, Schweizer Luxusuhren oder auch amerikanischer Edel-Sneakers aufgestiegen.

Durch den Ritterschlag sind die Aktien aber auch volatiler geworden. Die Gefahr besteht, dass Zwischenhändler und Investoren den Markt mit zuvor gehortetem Schnaps überschwemmen. Doch hat das der Kursrally bisher kein Ende gesetzt. Entsprechend sind die Titel mit einem vorausschauenden Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 mittlerweile hoch bewertet. Analysten des chinesischen Brokerhauses Citic Securitis gehen in Erwartung eines anhaltend guten Geschäftsgangs jedoch davon aus, dass der Kurs in den kommenden sechs bis zwölf Monaten auf 1400 Yuan steigen wird. Wann und ob der Kater kommt, bleibt offen.