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Hot Corner: «Old Economy» neu aufgelegt

Rechtzeitig zum 200-Jahr-Jubiläum hat der deutsche Maschinenbauer Koenig & Bauer zu guter Form zurückgefunden.

Wolfgang Gamma

Gerade mal zwei Jahre waren seit der Schlacht bei Waterloo und dem Ende von Napoleons Herrschaft vergangen, als 1817 im Kloster Oberzell nahe dem damals königlich-bayrischen Würzburg ein Gewerbebetrieb gegründet wurde. Es war das die Schnellpressenfabrik von Friedrich Koenig und seinem Kompagnon ­Andreas Bauer, die weltweit erste Druckmaschinenfabrik. In der 200-jährigen Geschichte sah Koenig & Bauer (Börsenwert 965 Mio. €) manches zyklische Auf und Ab. Recht­zeitig zum Unternehmensjubiläum hat ­Koenig&Bauer zu guter Form zurückgefunden: Nach signifikantem Umsatz- und Gewinnzuwachs 2016 kann das Management neue Mittelfristziele setzen.

Koenig & Bauer ist in einem sehr zyklischen Geschäft aktiv. Das Unternehmen entwickelt und fertigt kommerzielle Druckpressen, Maschinen zur Druckweiterverarbeitung und Papierzufuhrmaschinen. Sie kommen im Druck von Zeitungen, Büchern, Zeitschriften, Verpackungsmaterial und Spezialpapierdokumenten zum Einsatz. In den letzten Jahren machten strukturelle Veränderungen der Gesellschaft mehr zu schaffen als die Konjunktur. Als Vertreter der klassischen «Old economy» musste Koenig & Bauer seinen Platz in der digitalen Welt finden.

Wende zum Jubiläum

Insgesamt scheint das gut zu gelingen. 2016 stieg der Umsatz 14% auf 1167 Mio. €. Der Auftragseingang konnte nahezu auf dem Vorjahresniveau gehalten werden. Kosteneinsparungen und die gute Kapazitätsauslastung führten zu einer operativen Gewinnsteigerung um nahezu drei Viertel. Alle drei Segmente schrieben Gewinn, auch die zuvor defizitäre Sparte Digital & Web.

Zu den operativen Fortschritten gesellten sich Einmalerträge, sodass sich der Gewinn mehr als verdreifachte und 82,2 Mio. € erreichte. Aber auch ohne Sondereffekte hätte sich der Gewinn nahezu verdoppelt. Nach einem Jahrzehnt mit Umsatzrückgang und unbefriedigenden Margen sollen die Aktionäre am Erfolg beteiligt werden. Der Aktionärsversammlung wird eine Dividende von 0.50 € je Aktie vorgeschlagen.

Trotz der unverändert anspruchsvollen konjunkturellen Rahmenbedingungen blickt CEO Claus Bolza-Schünemann zuversichtlich ins Jubiläumsjahr. Er hat einen Umsatz von 1,25 Mrd. € und eine Ebit-Marge von rund 6% im Visier. Analysten gehen für 2017 von einem Gewinnanstieg von mehr als 20% und von weiteren 15% im Folgejahr aus.

Neue Ziele

Bis 2021, so die Mittelfristziele des Managements, soll der Umsatz organisch jährlich 4% wachsen. Gut die Hälfte davon soll der Verpackungsdruck beisteuern. Als weitere Wachstumsträger werden das Digitalgeschäft und das Servicesegment bezeichnet, während für den Sicherheitsdruck auch die Option Partnerschaft geprüft wird. Koenig & Bauer will zudem profitabler werden. Für die Ebit-Marge wird bis 2021 eine Bandbreite von 4 bis 9% je nach Investitionen genannt. Daraus kann eine Gewinnzunahme um 70 Mio. € erwachsen. Anlegern wird eine Ausschüttungsquote von 15 bis 35% des Gewinns in Aussicht gestellt.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 für 2017 sind die Titel nicht ausgereizt, was auch die vielen Kaufempfehlungen von Analysten zeigen. Das Bankhaus Lampe setzt für Koenig & Bauer ein Kursziel von 65 €, Hauck & Aufhäuser gibt ein Potenzial von 72 €.