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Blogs / Momentum 10:45 - 16.03.2017

Hot Corner: Populäres Portal

Frank Heiniger
Moneysupermarket hat sich über die vergangenen Jahre als beliebtestes Preisvergleichsportal Grossbritanniens etabliert. Allerdings sieht sich die Branche wachsender Kritik ausgesetzt.

Über Geschmack lässt sich vorzüglich streiten. So auch darüber, ob man die Werbespots von Moneysupermarket (MONY 342.6 0.09%) (2,3 Mrd. Fr. Börsenwert) lustig finden soll – oder einfach nur bescheuert. Fakt ist: Mit schöner Regelmässigkeit bringt das Preisvergleichsportal das Blut britischer Fernsehzuschauer in Wallung. Vergangenes Jahr schafften es gleich zwei Spots, die Beschwerdenliste der nationalen Kontrollstelle ASA anzuführen – ohne letzten Endes von den Prüfern tatsächlich für anstössig befunden zu werden.

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Dem Erfolg von Moneysupermarket tut das keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Der seit 1999 aufgeschaltete Onlinedienst hat sich über die vergangenen Jahre als beliebtestes Preisvergleichsportal Grossbritanniens etabliert. Zu Beginn beschränkten sich die Betreiber auf die Auflistung von Hypothekarprodukten. Seither wurde die Palette deutlich ausgebaut. Inzwischen umfassen die Services auch den Vergleich von Auto- und Lebensversicherungen, Kreditkarten oder Stromanbietern.

Wachsende Kritik

Die Nutzung der Plattform ist für Endkunden kostenlos. Einnahmen erzielt Moneysupermarket primär über fixe Vermittlungsgebühren. Diese erhält das in Ewloe, Wales, domizilierte Unternehmen von den Produktanbietern, sobald es zu einem Vertragsabschluss kommt, der über das Portal initiiert wurde.

Konträr zum Anspruch der Kundenorientierung sieht sich die Branche jedoch wachsender Kritik ausgesetzt. Eine viel beachtete Studie der Universität von Warwick kam letztes Jahr zum Schluss, der gesellschaftliche Nutzen falle deutlich kleiner aus als erhofft. Die abgeschöpften Vermittlungsgebühren seien so hoch, dass die positive Wirkung höherer Transparenz und schärferen Wettbewerbs ausradiert werde. Zudem müsse die Verlässlichkeit der Preisinformationen angezweifelt werden.

Die nationale Wettbewerbsbehörde kündigte denn prompt an, die gesamte Industrie einer kritischen Untersuchung zu unterziehen. Erste Resultate werden noch für März erwartet.

Männer in Hotpants und High Heels? In den Werbespots von Moneysupermarket ist alles möglich. Bild: ZVG

Noch nicht zu teuer

Operativ läuft für Moneysupermarket ebenfalls nicht alles reibungslos. Ein enttäuschendes Zwischenfazit für Januar und Februar reichte aus, um den Aktienkurs kurzzeitig unter Druck zu setzen. Die Aussichten bleiben jedoch vorteilhaft: Für das kommende Geschäftsjahr werden die Valoren aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 bewertet. Angesichts der hohen Wachstumsraten, der dominanten Stellung im nationalen Markt sowie der einfach hochskalierbaren Plattform scheint dieses Bewertungsniveau nicht zu teuer.

Auch ist das Unternehmen mit einer Nettoliquidität von rund 45 Mio. £ relativ komfortabel kapitalisiert. Kurstreibend dürfte sich zudem das Aktienrückkaufprogramm auswirken: Moneysupermarket hat jüngst bekannt gegeben, über das laufende Jahr eigene Titel im Wert von 40 Mio. £ erstehen zu wollen.