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Hot Corner: Problemfall im Weltall

Die Fehlfunktion eines Erdbeobachtungssatelliten hat Maxar Technologies zurückgeworfen. Gelingt der Turnaround, wird der Weg zur Kurserholung frei.

Frank Heiniger

Auf die letzten Monate würde Maxar Technologies (NYSE: MAXR, 602 Mio. $ Börsenwert) wohl gerne verzichten. Pleiten, Pech und Pannen haben dem Satellitenkonzern übel zugesetzt. Einen herben Rückschlag erlitt er im Januar: Wegen einer Fehlfunktion liess sich der Erdbeobachtungssatellit WorldView-4 plötzlich nicht mehr stabilisieren. Da er ab diesem Zeitpunkt keine brauchbaren Fotos mehr liefern konnte, kreist er seither als Weltraumschrott nutzlos im Orbit.

Dass WorldView-4 für rund 180 Mio. $  versichert war, dürfte Maxar kaum getröstet haben. Auch die Anleger reagierten gnadenlos: Der Ausfall des wichtigen Gewinnträgers drückte den bereits arg gebeutelten Aktienkurs weiter nach unten. Allein im Nachgang der Hiobsbotschaft verlor das Unternehmen mehr als 50% seines Werts.

Bildsparte liefert Gewinn

Maxar Technologies entstand 2017 aus dem milliardenschweren Zusammenschluss der kanadischen MDA (MacDonald, Dettwiler and Associates) und der amerikanischen Digital Globe. Die Geschäftsfelder der beiden Fusionspartner bestimmen denn auch heute noch die Unternehmensstruktur.

Das Segment Space Solutions entwickelt und fertigt Kommunikations- und Bildsatelliten sowie Robotiksysteme. Maxar – respektive MDA – hat etwa den Greifarm für die Raumstation ISS konstruiert. Den deutlich höheren Gewinnbeitrag liefert die Bildsparte (Imagery): Die hochauflösenden Fotos aus dem All, die sich je nach Bedürfnis täglich oder wöchentlich aufdatieren lassen, werden primär von staatlichen oder staatsnahen Abnehmern gekauft – zum Beispiel von der Weltraumbehörde Nasa oder dem US-Verteidigungsministerium. Doch auch kommerzielle Unternehmen wie der Fahrdienst Uber stossen verstärkt zum Kundenstamm hinzu.

Hohe Schuldenlast

Zwar ist mit der Fusion von 2017 ein vertikal integrierter Marktführer entstanden. Doch der Zusammenschluss wurde mit einer hohen Schuldenlast erkauft. Die wichtigste Aufgabe von CEO Dan Jablonsky liegt denn auch darin, die Nettoverbindlichkeiten von 3 Mrd. $ möglichst rasch abzubauen. Anlässlich der jüngsten Quartalszahlen zeigte sich Jablonsky verhalten optimistisch: «Im letzten Quartal haben wir solide Fortschritte gemacht, eine schlankere und agilere Organisation mit einer reduzierten Kostenstruktur zu schaffen.»

Vorerst bleibt Maxar dazu verdammt, grosse Mittel in die Entwicklung von WorldView Legion zu stecken. Sobald dieses aus sechs Einzelsatelliten bestehende System 2021 lanciert wird, dürfte das Unternehmen jedoch mit dem Ernten der Früchte beginnen können. Dann wäre der Weg zu einer nachhaltigen Kurserholung frei. In einer Sum-of-the-Parts-Analyse von JPMorgan wurde der Wert von Maxar jüngst mit 11 $ pro Aktie quantifiziert.

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