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Hot Corner: Roboter besser als Chirurgen

Die Zahl der Operationen mit Robotersystemen steigt von Jahr zu Jahr. Das Unternehmen Intuitive Surgical stellt diese Technologie her.

Eflamm Mordrelle

Kein Beruf ist vor dem Einzug der Roboter gefeit, nicht einmal der des Chirurgen. Denn die Roboterhand arbeitet präziser als die menschliche, kennt kein Zittern, ermüdet nicht, findet sich im engsten Raum zurecht. Die Roboterhand ist die bessere Chirurgenhand. Bei urologischen und gynäkologischen Operationen wie Prostata-Eingriffen oder die Entfernung der Gebärmutter hat sich Roboterchirurgie bereits etabliert und geniesst wachsende Popularität. Führende Anbieterin und Pionierin auf dem Gebiet ist die 1995 gegründete Intuitive Surgical (ISRG 450 0.67%) (Nasdaq: ISRG, Kurs: 697.37 $, Marktwert von 26,8 Mrd. $).

Das Hauptprodukt der Kalifornier ist  das derzeit marktführende Operationssystem da Vinci. Es besteht aus einer 3D-Konsole mit Kontrolljoystick und Fusspedalen, die von einem Chirurgen bedient wird, sowie Roboterarmen, die die Bewegungen mit höchster Präzision ausführen. Der Roboter ersetzt den Chirurgen also nicht, sondern amtet als dessen verlängerter, mechanischer Arm.

Teure Anschaffung

Spitäler müssen für den Kauf der Roboter tiefe Taschen haben. Letztes Jahr legten Kunden durchschnittlich 1,54 Mio. $ für ein solches System hin. Hinzu kommen Operationsinstrumente, die pro Eingriff bis zu 3200 $ kosten. Umgekehrt sind Robotereingriffe weniger invasiv, was kürzere Spitalaufenthalte und weniger Komplikationen bedeuten kann.

Für Intuitive Surgical ist letztlich entscheidend, dass Robotermedizin immer populärer wird. Jedes Jahr werden weltweit etwa 15% mehr Robotereingriffe durchgeführt, 2015 rund 650 000. Intuitive Surgical profitiert von dieser Nachfrage, auch ausserhalb des Kernmarkts USA. Die Schweiz hat als hoch entwickelter Gesundheitsmarkt bereits eine der weltweit höchsten Dichten an Operationsrobotern.

Komfortabler Vorsprung

Als unbestrittene Marktführerin bedient Intuitive Surgical einen Grossteil der Nachfrage selbst. Ausser einem Einbruch 2014 konnte das seit 2000 kotierte Unternehmen in den vergangenen Quartalen den Umsatz jeweils um mindestens ein Zehntel vergrössern. Mittlerweile sind weltweit 3745 Da-Vinci-Systeme installiert, davon 2474 in den USA. Diese Systeme müssen auch unterhalten werden, was regelmässige Einnahmen aus Serviceverträgen bedeutet.

Diese Wachstumsaussichten hat potente Konkurrenz auf den Plan gerufen. Medtronic (mit Mazor), Zimmer (ZBH 122.76 1.29%) Biomet oder Google (GOOGL 1270.59 1.34%) zusammen mit Johnson & Johnson (JNJ 139.9 1.5%) wollen sich ein Stück des Kuchens sichern. Doch angesichts des technologischen Vorsprungs ist die Konkurrenz noch Jahre davon entfernt, Intuitive die führende Marktstellung streitig zu machen. Das spiegelt sich in der Bewertung der Aktien. Mit einem ­geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 30 für das kommende Jahr sind Intuitive Surgical deutlich teurer als die typische Medtech-Konkurrenz.

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