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Hot Corner: Roboterkraft

Der Hersteller von elektronischen Komponenten Nidec will das ersetzen, woran es in Japan am meisten mangelt: Arbeitskräfte.

Gabriella Hunter

Bis 2030 werden Roboter in entwickelten Ländern ein Viertel der Arbeitskräfte ersetzen, erwartet das Beratungsunternehmen McKinsey. Die Angst vor den Maschinen,  dem Wegfall von Jobs und den sozialen Folgen ist vielerorts gross. Nicht so in Japan: Dort hoffen Wirtschaftsexperten auf einen noch schnelleren Aufstieg der Roboter. Denn die Situation am japanischen Arbeitsmarkt spitzt sich zu.

Der wirtschaftliche Aufschwung in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass deutlich mehr Jobs geschaffen worden sind, als nachgefragt werden. Gemäss der jüngsten Studie des japanischen Finanzministeriums beklagen sich mehr als 70% der Gesellschaften über das Fehlen von Arbeitskräften. Und das Institut für Einwohnerstatistik prognostiziert eine Zunahme der Problematik: Bis 2050 soll der Anteil der über 65-jährigen Bevölkerung von 30 auf 40% steigen.

Vom Trend profitieren

Viele japanische Unternehmen setzen daher vermehrt auf Roboter. Der Hersteller von Elektromotoren Nidec (6594 62 -1.2%) will von diesem Trend profitieren und die Herstellung selbständiger Maschinen vorantreiben. Bis 2020 sollen umgerechnet 1,8 Mrd. Fr. für Akquisitionen und Investitionen in diesem Bereich aufgewendet werden.

Über die Tochtergesellschaft Nidec-Shimpo plant das auf elektronische Komponenten spezialisierte Unternehmen kleine und mittelgrosse Zukäufe. Kombiniert mit bereits übernommenen Aktivitäten in den USA und Europa könnte die Produktionskapazität für die Automatisierung von Fabriken markant erhöht werden, glaubt CEO Shigenobu Nagamori.

Nidec wurde 1973 als Nippon Densan in Kyoto gegründet und gilt als Pionier in der Herstellung von Elektromotoren. Durch die schrittweise Übernahme von Shimpo in den Neunzigerjahren wurden die Anwendungsbereiche stetig ausgeweitet. Heute beschäftigt der japanische Konzern mehr als 100 000 Mitarbeiter in gut 200 Tochtergesellschaften. Seine Produkte finden sich unter anderem in Turbinen, Elektrogeräten und Autos. Roboter bilden die jüngste Ergänzung des Portfolios.

Ziel: Marktanteil von 50%

Die Marktentwicklung gibt der geplanten Neuausrichtung des Unternehmens recht. Und Nidec will dank den Investitionen überdurchschnittlich schnell wachsen: Bis 2020 soll der globale Marktanteil in der Herstellung von Roboterkomponenten von heute 10 auf 50% steigen. Das würde einen Umsatzanstieg um mehr als die Hälfte auf gut 100 Mrd. Yen bzw. 5% des Konzernertrags bedeuten, schätzt das Unternehmen.

In den vergangenen Jahren wurden die Aktien vom Aufstieg des Elektromotors getrieben. Der Kurs hat sich seit 2012 beinahe verfünffacht. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40 sind die Titel mittlerweile hoch bewertet. Doch Nidec hat schon einmal gezeigt, dass sie in der Lage ist, Profit aus wirtschaftlichen Trends zu schlagen. Roboter bieten die nächste grosse Chance.