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Hot Corner: Sauberes Wasser hilft Dividenden

Die Aufträge des Versorgers Veolia Environnement haben eine lange Laufzeit. Was das für das Unternehmen und die Aktionäre bedeutet.

Jeffrey Hochegger

Die Anleger sind enttäuscht. Der Aktienkurs von Veolia Environnement (Börsenwert 9,6 Mrd. €) hat in den vergangenen zwölf Monaten 20% verloren. Das Management hat die Gewinnprognose von 3,5 Mrd. € Ebitda auf 3,3 bis 3,5 Mrd. € reduziert und um ein Jahr nach hinten auf 2018 geschoben. Begründet wird die Verzögerung mit Einmaleffekten wie Werbeausgaben und Preisdruck.

Die Analysten von Barclays (BARC 139.78 1.93%) beunruhigt dies nicht: «Das Unternehmen hat die Restrukturierung abgeschlossen und es ist solide positioniert.» Die Qualität des Wachstums gehe vor Geschwindigkeit. Denn das Geschäftsumfeld sei intakt. Wasser ist Lebensgrundlage. Allein der menschliche Bedarf an Trinkwasser summiert sich auf rund 60 000 Liter in einem Leben. Bevor Wasser getrunken werden kann, muss es aufbereitet werden. Die Trinkwasseraufbereitung ist nur ein Bereich des französischen Konzerns.

Die weiteren Aktivitäten umfassen unter anderen Abwasserbehandlung, Abfallentsorgung, Recycling, Reinigung von Strassen, sowie die Strom- und Wärmeerzeugung. Aufträge für Veolia sind in der Regel Grossprojekte. Kunden sind die öffentliche Hand mit einem Anteil von 55% und grössere Industriebetriebe (45%). Die Aufträge sind langfristiger Natur. Künftige Umsätze können gut prognostiziert werden. Zu den grösseren Aufträgen der jüngsten Vergangenheit gehören die Abwasseraufbereitung des chinesischen Erdölkonzerns Sinopec und die Abfallentsorgung im Landkreis Hertfordshire in Grossbritannien. Die Laufzeit dieser Verträge beträgt 25 resp. 30 Jahre und der Umsatz über die Projektdauer beträgt 1,2 Mrd. € resp. 3,3 Mrd. €.

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 163 000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr beinahe 25 Mrd. €, gut die Hälfte davon in Europa.

Neben Wachstumsmöglichkeiten sind auch Kostensenkungen ein Thema. In den Jahren 2016 bis 2018 will Veolia kumuliert 600 Mio. € wegschneiden. Gut möglich, dass das Ziel übertroffen wird. Schon 2012 bis 2015 plante das Unternehmen eine Kostensenkung, damals von 450 Mio. €. Letztlich wurden die Aufwendungen 800 Mio. € gekürzt.

Die Bewertung, gemessen am Verhältnis des Unternehmenswerts zum operativen Gewinn (EV/Ebitda) beträgt 6,7.  Ein Wert, der deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegt, schreiben die Barclays-Analysten. Kostensparmassnahmen und die Dividendenpolitik bieten zusätzliches Potenzial. Die Dividende wurde zuletzt 10% auf 0.80 € erhöht (Rendite 4,7%). Dank des hohen Mittelflusses (Free Cashflow) kann auch künftig auf eine solide Ausschüttung gezählt werden. Weitere Erhöhungen sind zu erwarten.

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