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Hot Corner: Schlimmer geht’s nimmer

Im vergangenen Jahr haben die Aktien des Handelsriese für Konsumelektronik Ceconomy rund 75% verloren.

Im vergangenen Jahr haben die Aktien von Ceconomy (Frankfurt: CEC, 4.04 € am Freitag, Börsenwert 1,46 Mrd. €) rund 75% verloren. Der Handelsriese für Konsumelektronik, zu dem Media-Markt und Saturn gehören, litt unter Preiskämpfen und Konkurrenten wie Amazon (AMZN 1884.3 -4.81%). Auch hausgemachte Probleme gehörten dazu, es mangelt an Effizienz.

Mittlerweile haben sich die Titel etwas gefangen. Zu einer weiteren Stabilisierung dürfte beitragen, dass die Erneuerung des Managements nun abgeschlossen ist. CEO Pieter Haas musste im Oktober gehen, CFO Mark Frese verliess Ende Dezember Ceconomy. Neuer Chef wird der 57-jährige Jörn Werner, der früher die Autowerkstattkette A.T.U. und den Elektronikhändler Conrad Electronic leitete. Er übernimmt im März das Ruder und gilt als Restrukturierungsexperte. Finanzchefin wird die 49-jährige Karin Sonnenmoser, die vom Leuchtenhersteller Zumtobel kommt.

Ein Jahr des Umbruchs

Die beiden werden es nicht leicht haben. Ihr Auftrag lautet, die «digitale Transformation und den Kulturwandel» voranzutreiben. Die Gesellschaft steckt in einem Jahr des Umbruchs, in dem sie sich «sukzessive neu aufstellen wird, um den Kundenfokus und die Produktivität des Geschäfts zu steigern», heisst es.

Dazu sind Investitionen in IT und Logistik nötig. Im Dezember enttäuschte Ceconomy die Anleger mit einem verhaltenen Ausblick. Zudem erklärte das Unternehmen, das sich als Marktführer in acht europäischen Ländern bezeichnet und auf ein Multichannel-Angebot setzt, die Dividende zu streichen. Eine gute Entwicklung im Online- und im Servicegeschäft lässt hoffen, dass die Strategie im Grundsatz stimmt.

Für das laufende Geschäftsjahr per Ende September ist im Betriebsgewinn ein leichter Rückgang zu erwarten. Analysten rechnen für diese Periode im Schnitt mit einem marginalen Umsatzplus auf 21,5 Mrd. € und einer Ebitda-Marge von 2,8%. Der Onlineanteil am Umsatz (zuletzt gut 12%) gewinnt an Bedeutung. Am 8. Februar kommt der Zwischenbericht zum ersten Quartal (Oktober bis Dezember 2018).

Niedrige Bewertungen

Schnelle Kursgewinne sind nicht zu erwarten. Analysten sind weiterhin sehr pessimistisch, viele Kursziele liegen unter der aktuellen Notierung. Von 13 auf Bloomberg aufgeführten aktuellen Empfehlungen lauten vier auf «Verkaufen», der Rest auf «Halten». Schlimmer kann die Stimmung kaum noch werden. Auch in der nahen Zukunft dürften die Titel weiter stark schwanken.

Mittelfristig lassen die auch auf vorsichtiger Basis niedrigen Bewertungen höhere Kurse erwarten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2018/19 (per Ende September) erreicht 9, für das kommende Jahr 8. Ceconomy-Aktien sind eine – riskante – Wette darauf, dass auch Media-Markt und Saturn mehr vom Onlinehandel profitieren werden. (BA)