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Hot Corner: Schmerzfrei

Krebspatienten sterben oft nicht am Tumor selbst, sondern an der Auszehrung, die er mit sich bringt.

Michael Griesdorf

Auf diese Erkenntnis baut XBiotech. Gegründet wurde das US-Biotech-Unternehmen mit Schweizer Wurzeln 2005 von Medizinnobelpreisträger Rolf Zinkernagel, dem Schweizer Dermatologen Thomas Kündig und vom amerikanischen Biochemiker John Simard. Im Verwaltungsrat sitzt unter anderem der frühere Verwaltungsratspräsident von Novartis Daniel Vasella.

Schwere Entzündungen sind keine Seltenheit bei Tumorpatienten. Sie werden durch die Reaktion des Immunsystems auf den Krebs ausgelöst und sorgen für neue Blutgefässe, die den hohen Energiebedarf des Tumors decken. Gleichzeitig zerstören sie das umliegende Gewebe und die Knochen, sodass der Krebs wachsen und sich ausbreiten kann. Für die Entzündungen verantwortlich ist das Immunhormon IL-1a. Wird es blockiert, verschwinden auch die Infektionen. XBiotech hat nun einen Antikörper kreiert, der die Hormonausschüttung unterbindet.

Der Antikörper, der direkt aus Menschen kloniert wurde – was an sich schon  ein Durchbruch in der Forschung ist –, zeigte in ersten Versuchen am Menschen bereits Wirkung. Patienten, die vom Krebs ausgezehrt waren, lebten plötzlich beschwerdefrei und auch länger. Der Tumor war zwar nicht weg, das Wohlbefinden konnte aber deutlich verbessert werden. Das ist im Vergleich zu der mit starken Nebenwirkungen verbundenen Chemotherapie ein grosses Plus.

Die US-Gesundheitsbehörde FDA zeigte sich beeindruckt und hat dem Wirkstoff mit dem Namen Xilonix für weitere klinische Studien ein beschleunigtes Verfahren zugesprochen. Damit müssen weniger Patienten in die künftigen Tests miteinbezogen werden, was die Kosten mindert. Xilonix wird derzeit in einer zulassungsrelevanten Studie (Phase III) bei verschiedenen Krebsarten getestet. Bei weiteren entzündlichen Krankheiten, wie Schuppenflechte, Diabetes und Akne, laufen klinische Phase-II-Studien. Damit die teuren Tests bei Krebs nicht an einem Liquiditätsmangel scheitern, wagte XBiotech im April den Börsengang an die US-Technologiebörse Nasdaq. Dort konnte sie rund 76 Mio. $ sammeln.

Nur 60% aller Pharmaprojekte in der Phase III schaffen es statistisch gesehen bis zum Markteintritt, und bei XBiotech ist mit weiteren Finanzierungsrunden und damit mit einer Verwässerung des künftigen Gewinns zu rechnen. Für risikofähige Anleger mit dem nötigen medizinischen Fachwissen  bietet sich dennoch eine Einstiegsgelegenheit. Die Aktien sind mittlerweile zu einem Preis von 16.88 $ zu haben, was 11% unter dem Ausgabepreis beim Börsengang ist.