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Hot Corner: Schub fürs All und für den Kurs

Die Aktien von Virgin Galactic haben seit der Publikumsöffnung an der New Yorker Börse vor vier Monaten um 170% zugelegt.

Sebastiano Ruiz de Cardenas

Wer vor fünf Jahren Erfolg in der neu entstandenen privaten Raumfahrtbranche suchte, wurde enttäuscht. Explosionen von Raketen nach dem Start, Abstürze bei Testflügen und zahlreiche technische Probleme bestimmten den Alltag. Nun, nachdem die ersten Erfolge erzielt wurden, geht es der Branche besser. Virgin Galactic inklusive.

Seit der Publikumsöffnung an der New Yorker Börse vor vier Monaten haben die Aktien von Virgin Galactic (NYSE: SPCE, Börsenwert: 3990 Mio. $, Kurs am Freitag 18.67 $) um 170% zugelegt. Nach Angaben von Morgan Stanley (MS 52.42 -2.47%) wird der Markt für den Weltalltourismus und suborbitale Raumflüge im Jahr 2040 auf etwa 800 Mrd. $ geschätzt. Suborbital heisst ein Flug, bei dem ein Flugobjekt eine grosse Flughöhe erreicht, ohne in eine Umlaufbahn zu gelangen.

Vorne mit dabei

Virgin Galactic ist mit dieser Technologie an vorderster Front dabei; nicht nur hinsichtlich Weltallreisen, sondern auch im Bereich des kommerziellen Hyperschallreisens. Das von Richard Branson 2004 gegründete Unternehmen bezweckt, Weltalltourismus und kommerzielle sub-orbitale Flüge anzubieten. Damit würde sich die Reisezeit von Los Angeles nach Tokio etwa von rund elf auf weniger als zwei Stunden verkürzen.

Die ersten Jahre verliefen für die Gesellschaft nicht immer erfolgreich; 2011 wurde der erste Raumfahrtflughafen der Welt, Spaceport America, eröffnet und die ersten Testflüge durchgeführt. 2014 dagegen wird für Virgin Galactic in Erinnerung bleiben wegen eines Unfalls, bei dem ein Testpilot ums Leben kam. Die Tests wurden danach für einige Jahre eingestellt.

Virgin Galactic weckte zuletzt Interesse bei vielen Unternehmen. Boeing (BA 330.38 -1.75%) hat 20 Mio. $ über seine Tochter HorizonX investiert. Gemeinsam wollen sie den Weltalltourismus entwickeln und für alle zugänglich machen. Hinzu kommt eine Kooperation mit der staatlichen US-Raumfahrtbehörde NASA. Diese besteht aus einer Vielzahl von Payload-Tests mit dem Ziel, mehr Fracht und später mehr Menschen ins Weltall transportieren zu können.

Luft nach oben

Das Ziel des von Richard Branson geführten Unternehmens ist es, schon im Juni 2020 die ersten Touristen ins All zu bringen. Obwohl ein Ausflug etwa 250 000 $ kostet, konnte Virgin Galactic bereits rund 600 Tickets verkaufen. Ein Gewinn ist kurzfristig noch nicht zu erwarten. Prognosen gehen davon aus, dass das Unternehmen dieses Jahr den Verlust pro Aktie auf 0.35 $ reduzieren könnte.

Analysten von Morgan Stanley empfehlen Virgin Galactic zum Kauf. Ihr Kursziel auf zwölf Monate lautet 22 $. Gelingt es, die Weltallausflüge rasch zu kommerzialisieren, ist das machbar. Anleger, die von einer neuen Ära des Tourismus im Weltall profitieren möchten, können einen Einstieg wagen.

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