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Hot Corner: Schwere Maschinen

Der Motorenbauer Deutz strebt eine Partnerschaft in China an. Es ist nicht das erste Mal.

Gabriella Hunter

Der Motorenhersteller Deutz (DEZ 5.665 -1.65%) (Xetra: DEZ, Kurs: 7.46 €, Börsenwert von 912 Mio. €) hat eine genaue Vorstellung der Zukunft: Sie beginnt in China und wird elektrisch sein. Die 2021 in der Volksrepublik in Kraft tretende verschärfte Abgasnorm ermögliche es dem deutschen Unternehmen, in China einen Neuanfang zu wagen, glaubt Konzernchef Frank Hiller.

Mit Neuausrichtungen kennt sich der Motorenhersteller aus: In Köln gründete vor mehr als hundertfünfzig Jahren, Ende März 1864, Nicolaus August Otto mit dem Ingenieur Eugen Langen die N. A. Otto & Cie., die weltweit erste reine Motorenfabrik. Sie war der Grundstein der heutigen Deutz. In den Jahrzehnten darauf baute der Konzern das Angebot stetig aus. Seit 2001 konzentriert er sich wieder auf das Kerngeschäft mit Motoren.

Neuanfang in China

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Deutz nach Asien schielt. 2006 wagte man mit dem Gemeinschaftsunternehmen Deutz Dalian den Sprung nach China. Doch das Geschäft lief harzig. Im Juli dieses Jahres zog der seit Anfang 2017 amtierende Hiller einen Schlussstrich. Er verkaufte den 50%-Anteil an den chinesischen Partner, den Autobauer First Automotive Works (FAW). Rückwirkend müssen mehr als 20 Mio. € abgeschrieben werden.

Aus diesem ersten Joint Venture habe das Unternehmen gelernt, nicht alle Funktionen auszulagern. Bei Deutz Dalian waren nicht nur die Produktion, sondern auch der Vertrieb und andere Aufgaben vereint worden. Künftig werde es nur noch reine Produktionskooperationen geben, kündigte Hiller an. Man befinde sich im Reich der Mitte in Verhandlungen.

Zudem zeigt der Trend auch bei den Baumaschinen in Richtung Elektroantriebe. Die Elektrifizierung ist für Deutz ein noch wenig bekanntes Feld. Mit der Übernahme des Spezialisten Torqeedo im September 2017 gelang dem Urgestein der Motorenindustrie der Einstieg. Damit will Deutz insbesondere das Fachwissen in diesem Bereich ausbauen. Baader Helvea erwartet, dass die Sparte ab 2022/23 profitabel sein wird.

Zehnjahreshöchst

Nachdem die Aktien im April ein Zehnjahreshöchst bei 8.76 € erreicht hatten, sind sie etwas zurückgekommen. Wachsende Bedenken über den weiteren Konjunkturverlauf und die Entwicklung des Fahrzeugmarkts belasteten die Titel. In Europa bremste im September zudem die Harmonisierung der Abgastests die Autoverkäufe.

Baader Helvea erwartet, dass sich der Endmarkt von Deutz auch in den kommenden zwei Jahren stabil entwickeln wird. In diesem Umfeld dürfte Deutz Marktanteile gewinnen, glauben die Analysten. Angesichts der positiven Aussichten sind die Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 für 2018 respektive 12 für 2019 günstig bewertet und bieten eine Kaufgelegenheit.

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