Blogs / Momentum

Hot Corner: Sicherheit geht vor

Ein britisches IT-Sicherheitsunternehmen profitiert von der wachsenden Zahl an Hackerangriffen. Mutige Anleger finden günstige Einstiegskurse.

Pascal Meisser, London

Cybercrime ist zum Billionengeschäft geworden. Gemäss einer Studie von Accenture (ACN 203.1 -2.02%) könnten solche Angriffe, die von Hackern ausgeführt werden, über die nächsten fünf Jahre einen Schaden von mindestens 5 Bio. $ verursachen.  Tatsächlich dürfte er wohl höher ausfallen, in der Vergangenheit waren die Schätzungen jeweils in schnellem Rhythmus nach oben korrigiert worden.

Gleichzeitig wird der Markt für Sicherheitslösungen im Datenbereich wegen neu eintretender Anbieter immer grösser. Einen Teil dieses Kuchens will der britische Softwareanbieter NCC Group (London: NCC; 187.40 p; Börsenwert 521 Mio. £) für sich beanspruchen. Das in Manchester beheimatete Unternehmen ist nicht neu. Gegründet wurde es vor zwanzig Jahren als Spin-off des staatlichen National Computing Centre. 2004 fand der Börsengang in London statt.

Probleme beseitigt

NCC hat sich in der Zwischenzeit einen Stamm von 15 000 Kunden aufgebaut, darunter befinden sich fast alle Unternehmen aus dem britischen Leitindex FTSE 100. Im Geschäftsjahr 2018/19  (per Ende Mai) erzielte NCC einen Umsatz von 233 Mio. £, wovon 31 Mio. als Gewinn übrig blieben. Die Investoren nahmen diese Zahlen freundlich auf, nachdem sie Anfang Jahr durch eine Gewinnwarnung aufgeschreckt worden waren.

Dies war nicht der einzige Gegenwind, in dem sich das Unternehmen zuletzt befand. NCC hatte zeitweise Mühe, gutes Personal zu verpflichten. Dieses ist gerade im Cybersecurity-Bereich sehr gefragt. Zeitweise mussten im vergangenen Geschäftsjahr deswegen Projekte zurückgestellt werden. Gemäss CEO Adam Palser sind diese Probleme inzwischen gelöst.

Höhere Marge angestrebt

Derweil läuft bei NCC das Geschäft mit Sicherheitslösungen wieder wie geschmiert. Nicht nur der Umsatz dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen, das Management will auch die Marge steigern. Gleichzeitig ist die  Bilanz weiter gestärkt worden. Die Schuldenlast konnte seit 2015 von 50 auf 20 Mio. £ reduziert werden. Der Broker Shore Capital erwartet, dass NCC in zwei Jahren schuldenfrei ist.

Wegen der Schwierigkeiten in den letzten zwei Jahren hat NCC bei Anlegern einigen Kredit verspielt. Das mag erklären, weshalb die Titel auf Basis der Schätzungen für 2020 mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16 bewertet sind. Konkurrenzunternehmen weisen ein KGV von 20 und höher auf. Auch wenn NCC das Höchst von 2016 kaum bald wieder erreichen dürfte, liegt in den Valoren einiges an Potenzial. Unterstützung dürften einerseits die Halbjahreszahlen bieten, die in rund drei Monaten publiziert werden, andererseits aber auch eine möglicherweise baldige Klärung des Brexit-Chaos, das generell die Kurse von britischen Mid-Cap-Aktien belastet.