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Hot Corner: Teures Gut

Einen Parkplatz finden ist in Japan so wenig ein Vergnügen wie in anderen dichtbesiedelten Gegenden. Park24 macht aus dieser Not ein Geschäftsmodell, das noch lange wachsen und gedeihen wird.

Thomas Krümmel

Japans Fläche ist etwas grösser als die von Deutschland, während die Bevölkerungszahl mit 127 Mio. nicht viel kleiner ist als die von Russland.  Dazu besteht das Kaiserreich zu drei Vierteln aus Gebirge und dichten Wäldern – das ist ein höherer Anteil als in der Schweiz.

Für Nippons Autofahrer bedeutet all das nichts Gutes. Ein Parkplatz ist teuer und kann umgerechnet schnell 200 Fr. im Monat kosten. Im Gegensatz zu Autos sind Parkplätze nicht beliebig vermehrbar. Park24 schlägt aus diesem Umstand seit drei Jahrzehnten regelmässig mehr Umsatz und Gewinn.

Das Geschäftsmodell ist einfach: Park24 spürt überall im Land Flächen auf, die zu klein scheinen für eine Überbauung, doch nicht zu klein sind für ein paar Kurzparkplätze – hundert Quadratmeter Fläche kann Park24 in vier oder fünf Parkplätze verwandeln.

Diese Parkplätze werden vollautomatisch betrieben. Die Autos werden mit einer Art Radkralle an der Wegfahrt gehindert, bis der Lenker seinen  Obolus  gezahlt hat. Dank langer Erfahrung sowie einer Grösse, welche die Konkurrenz zu Zwergen macht, weiss Park24 recht genau, wie viel Pacht sie für ein Grundstück zahlen kann, um es in einen profitablen Parkplatz zu verwandeln.

Die Gesellschaft beschäftigt Hunderte von Spürnasen im ganzen Land, um Flächen für neue Parkplätze zu finden. Mehr Parkplätze, die gleichzeitig effizienter bewirtschaftet werden, sind der wichtigste Treiber für Park24.

Ferner zirkulieren mehr als 30000 Mietwagen für das Unternehmen. Neu  ist das in Japan noch vergleichsweise unbekannte Carsharing. Während in der Schweiz ein Anbieter dominiert, existieren in Japan im Moment noch Dutzende Gesellschaften. In Anbetracht der starken Netzwerkeffekte – je grösser ein Anbieter, desto attraktiver ist er für den Kunden, dank mehr Autos und Stationen – ist Park24 dank der vielen Parkplätze  hervorragend positioniert, um auch in diesem Geschäft zu reüssieren.

Die Aktien sind auf den ersten Blick nicht günstig, angesichts eines KGV von 26 für das laufende Geschäftsjahr per Ende  Oktober und von 23 für 2016. Das simple  Geschäftsmodell erlaubt jedoch – ähnlich wie bei der Optikerkette Fielmann (FIE 57.00 -0.26%) – eine geradlinige Entwicklung.  In zehn Jahren will Park24 eine Million Parkplätze in Japan managen: Das entspräche einem Wachstum von 7% p. a. im Kerngeschäft. Hinzu kommen der Beitrag der Mietwagenflotte und das in den Anfängen steckende Carsharing.

Parkplätze bleiben in Japan ein teures Gut. Das Familienunternehmen Park24 wird in zweiter Generation von CEO Koiichi Nishikawa geführt. Er gehört mit einem Anteil von knapp 6% zu den fünf wichtigsten Aktionären der Gesellschaft.