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Hot Corner: Ungeschickter Abwehrversuch

Nach einer kritischen Studie eines Hedge Funds sind die Titel der FF Group eingebrochen. Die Wette auf eine Kurserholung ist riskant.

Andreas Kälin

Anfang Mai sind die Aktien FF Group (Athen: FFGRP; Kurs: 7.16 €; Marktwert 479 Mio. €) in  zwei Tagen 51% abgestürzt. Das griechische Unternehmen, das unter der Marke Folli Follie (FFGRP 4.8 0%) Schmuck, Uhren und Accessoires anbietet, ist von einem New Yorker Hedge Fund attackiert worden: Quintessential Capital Management (QCM) hat dem Schmuckhändler betrügerische Aktivitäten vorgeworfen und ­zuvor dessen Aktien leerverkauft, um von einem Kurseinbruch zu profitieren.

Mit diesem Vorgehen hatte der Hedge Fund, dessen verwaltete Vermögen geschätzt unter 100 Mio. $ betragen, schon einmal Erfolg bei einer griechischstämmigen Gesellschaft: Im Herbst 2015 attackierte er den in London kotierten Softwareentwickler Globo, der die Betrugsvorwürfe kurz darauf zugeben musste und in die Insolvenz ging.

Im aktuellen Fall hält QCM fest, dass die FF Group mit ihren offiziellen Angaben das Bild vermittle, ein rasch wachsendes und multinationales Modeunternehmen zu sein; demnach sollen gerade in Asien zweistellige Wachstumsraten erzielt worden sein. «Bedauerlicherweise», so QCM, sei es im Zug ausführlicher Nachforschungen unmöglich gewesen, dieses Bild mit den eigenen Befunden unter einen Hut zu bringen.

Ein Hauptvorwurf lautet, dass die FF Group die Anzahl Verkaufsstellen viel zu hoch ausgewiesen habe. Der Geschäftsbericht 2016 erwähnt 630 Verkaufsstellen für die Marke Folli Follie, QCM will aber nur Belege für 289 gefunden haben. Der Grossteil der übrigen Verkaufsstellen scheine den Betrieb eingestellt zu haben.

Erwartungsgemäss wies die FF Group die Beschuldigungen zurück als «gehaltlos, falsch, verleumderisch und irreführend». CEO George Koutsolioutsos, dessen Familie 39% am Unternehmen hält, verwahrte sich persönlich mit «grösster Empörung» gegen die Spekulanten.

Es gibt Fälle, in denen sich der Aktienkurs von einem Angriff erholt hat: Ende März 2017 verloren die Titel des deutschen Finanzinvestors Aurelius (AR4 50.9 -1.26%) nach einer kritischen Studie des Hedge Funds Gotham City in zwei Tagen zwei Fünftel. Seit diesem Tief haben sie 84% zugelegt.

FF Group stellt sich bei den Abwehrversuchen aber ungeschickt an. Sie hat eine angeblich aktuelle Liste mit 587 Verkaufsstellen publiziert – wobei zentrale Angaben zur Verifizierung, wie die Stadt oder Telefonnummern, fehlen. So liegt eine Verkaufsstelle schlicht an einer «High Street». Wie die «Financial Times» spöttisch anmerkt, gibt es in dieser Welt aber «schrecklich viele High Streets».

Wie von den Aufsichtsbehörden gefordert, hat FF Group mit EY nun einen ­unabhängigen Revisor beauftragt, den Abschluss 2017 nochmals zu prüfen. Wer auf eine Erholung des Aktienkurses setzt, geht eine riskante Wette ein.

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