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Hot Corner: Wette auf Turnaround

Die Quartalszahlen von General Electric überraschen positiv. Ein Hoffnungsschimmer für das weltgrösste Industriekonglomerat?

Christoph Gisiger

Sind das erste Signale für einen Turnaround? Oder ist es nur ein Aufbäumen vor dem unvermeidlichen Niedergang? Diese Frage stellt sich Investoren nach dem überraschenden Kurssprung, den die Aktien General Electric (GE 9.35 2.52%) (NYSE: GE, Kurs: 10.06 $, Börsenwert 87,5 Mrd. $) nach einem besseren Quartalsabschluss als erwartet gemacht haben.

«Dieses Jahr gibt es noch immer sehr viel zu tun. Das Unternehmen wird jedoch stärker», sagte der neue Konzernchef Larry Culp, als er letzte Woche über den Geschäftsgang berichtete. Die Quartalszahlen von GE sehen im Vergleich zur Konkurrenz zwar bescheiden aus. Für einmal blieben böse Überraschungen jedoch aus – ein Hoffnungsschimmer, nachdem das weltgrösste Industriekonglomerat mit einer Hiobsbotschaft nach der anderen enttäuscht hatte.

Drastischer Kurszerfall

Entsprechend düster fällt die Börsenperformance aus. Obschon die Valoren zuletzt etwas angezogen haben, notieren sie seit Anfang 2017 fast 70% im Minus. Zudem musste GE die einst generöse Dividende auf einen symbolischen Cent pro Aktie und Quartal kürzen. Vergangenen Sommer sind die Titel ausserdem aus dem Dow Jones (Dow Jones 26559.54 0.42%) gefallen.

Das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, wird für Culp nicht einfach. Der frühere Chef der Industriegruppe Danaher, der die GE-Konzernleitung Anfang Oktober übernommen hat, muss drei Kernprobleme lösen. Die erste Herausforderung ist, die Hauptsparte Power fit zu trimmen, die unter einem schwachen Marktumfeld und hausgemachten Problemen leidet.

Viele Baustellen

Die zweite Grossbaustelle ist GE Capital. Obwohl der Bereich stark geschrumpft wurde, bleiben Altlasten auf der Bilanz. Hinzu kommen enorme Schulden. Als Drittes steht eine Bereinigung des Portfolios an. Künftig will sich GE auf das Geschäft mit Flugzeug- und Kraftwerkturbinen sowie mit erneuerbaren Energien konzentrieren, das ungefähr ein Drittel des Umsatzes erwirtschaftet. Der Rest soll verkauft werden. Dazu zählen die auf Computertomografie spezialisierte Gesundheitssparte, der Mehrheitsanteil am Ölservicekonzern Baker Hughes sowie die Transportdivision, die Lokomotiven baut und für eine Fusion mit dem Branchennachbarn Wabtec abgespalten wird.

Ein Engagement in den Aktien GE bleibt daher eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Konzernchef Culp getraut sich denn auch nicht, eine Ergebnisprognose für dieses Jahr abzugeben. Kann er aber bald über erste Fortschritte berichten, sollten die Valoren einen kräftigen Auftrieb verspüren. Ebenso heftig kann jedoch ein erneuter Rückschlag im Fall weiterer Enttäuschungen ausfallen. Die Titel eignen sich deshalb nur zur Spekulation. Wer hingegen nach einem seriösen Investment sucht, sollte das nächste Kapitel der GE-Story aus neutraler Position verfolgen.

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