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Hot Corner: Zu hart abgestraft

Der Entscheid des US-Justizministeriums, aus den Verträgen mit profitorientierten Gefängnisbetreibern auszusteigen, hat die Branche belastet. Die Kursreaktion ist allerdings wohl zu heftig ausgefallen.

Frank Heiniger

Die USA, das «Land of the Free»? Mitnichten. Rund 2,2 Mio. Personen sitzen in den Vereinigten Staaten zurzeit hinter Gittern, davon 1,6 Mio. im längerfristigen Vollzug. Die Nation ist damit nicht nur absolut betrachtet globaler Spitzenreiter. Auch prozentual rangiert sie mit deutlichem Abstand auf dem ersten Platz.

Angesichts der Kostenexplosion sind staatliche, bundesstaatliche und regionale Behörden bereits vor Jahren dazu übergegangen, den Strafvollzug verstärkt an private Anbieter auszulagern. Doch nun scheint das Pendel in die Gegenrichtung zu schwingen: Überraschend hat das US-Justizministerium (Department of Justice, DoJ) im August bekannt gegeben, nach und nach aus den Verträgen mit profitorientierten Gefängnisbetreibern aussteigen zu wollen. Private Anstalten – so die Begründung – würden keine Kosten einsparen, aber hinsichtlich Sicherheit und Qualität zu wünschen übrig lassen.

Die Nachricht erschütterte den Sektor in seinen Grundfesten. Die Aktien der Branchenführer Corrections Corporation of America (CXW 17.05 -1.79%) (CCA) und Geo Group verloren gleichentags über ein Drittel an Wert – und haben in der Zwischenzeit kaum Terrain gutgemacht.

Ängste, dass das Geschäftsmodell dem Untergang geweiht ist, wirken aber übertrieben. Einerseits sitzt der Grossteil der Häftlinge in bundesstaatlichen Anstalten ein, die vom Entscheid in Washington vorerst nicht betroffen sind. Anderseits ist anzuzweifeln, dass weitere Staatsorgane – darunter etwa die Einwanderungsbehörde – dem DoJ-Beispiel folgen werden.

Zudem haben die Gefängnisbetreiber ihre Geschäftstätigkeit inzwischen breiter abgestützt. Mit drei Akquisitionen ist CCA (NYSE: CXW, 1,9 Mrd. $ Börsenwert) in die Residential Reentry Center Services vorgestossen. Dabei handelt es sich um Fazilitäten, die sich als Teil des offenen Vollzugs um die Wiedereingliederung von Sträflingen kümmern und diese bei der Jobsuche oder beim Drogenentzug unterstützen.

Im Anschluss an die DoJ-Ankündigung wurden die Gewinnerwartungen für CCA massiv nach unten korrigiert. Bewegte sich die Konsensprognose für 2017 noch im Juli um 1.90 $ pro Titel, liegt sie aktuell bei 1.27 $. Das daraus berechnete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 scheint nicht zu hoch – zumal in der Aktie schon viel Pessimismus eingepreist ist.

Für CCA sprechen ausserdem die hohen Ausschüttungen. 2013 wurde das Unternehmen in einen REIT (Real Estate Investment Trust) umgewandelt, der steuerliche Vorzüge geniesst, dafür jedoch den Grossteil des Profits an die Teilhaber auszahlen muss. Die Analysten gehen davon aus, dass CCA die aktuelle Quartalsausschüttung von 0.54 $ beibehalten kann. Dies entspricht einer stattlichen Jahresrendite von rund 13%.

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