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Hot Corner: Zu heiss

Der Reiseveranstalters Thomas Cook ist aus dem FTSE 250 gefallen und bietet risikofreudigen Spekulanten die Gelegenheit, auf eine Fort­setzung des jüngsten Aufwärtstrends zu wetten.

Pascal Meisser

Die vergangenen Handelstage haben das Kaufinteresse der Anleger in einem der grössten Verlierer am britischen Aktienmarkt von 2018 wieder geweckt. Die Aktien des Reiseveranstalters Thomas Cook (TCG 14.4 -1.97%) Group (London: TCG; Kurs 38,84 p; Börsenwert 546 Mio. £) haben nach ­diversen Gewinnwarnungen in den vergangenen Monaten innerhalb kurzer Zeit 80% an Wert eingebüsst. Das hatte zur Folge, dass die Titel jüngst aus dem FTSE 250 gefallen sind. Dieser Index umfasst die grössten britischen Unternehmen, die nicht dem Leitindex FTSE 100 angehören. Wer aus dem FTSE 250 fällt, findet in der Regel von grösseren Investoren kaum Beachtung.

Dennoch haben die Aktien von Thomas Cook zuletzt einen Boden ausgebildet. Das bietet risikofreudigen Spekulanten die Gelegenheit, auf eine Fort­setzung des jüngsten Aufwärtstrends zu wetten. Denn nicht alle Widerwärtigkeiten, die zum Absturz der Notierungen geführt haben, sind strukturell bedingt.

Reiseunlust der Briten

Das Ergebnis von Thomas Cook litt in dem per Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr vor allem unter dem unüblich heissen Sommer auf der britischen Insel. Das führte dazu, dass die ansonsten reisefreudigen Briten ent­weder ihren Urlaub in ihrer näheren Umgebung verbrachten oder aber erst kurzfristig buchten. Deshalb versuchte Thomas Cook, die missliche Lage mit Rabattschlachten anzukurbeln.

Das führte zu einer besseren Auslastung der kürzlich auf 100 Flugzeuge vergrösserten Flotte. Allerdings resultierte für das Geschäftsjahr 2017/18 wegen unerwartet hoher Abschreibungen ein Verlust auf Stufe EBT von 53 Mio. £. Gleichzeitig nahm die operative Marge um ein Drittel auf 2,6% ab. Angesichts dieses Dämpfers strich das Unternehmen die Dividendenzahlung. Positiv anzumerken ist zumindest, dass Thomas Cook mit seiner Airlinesparte sowohl beim Gewinn als auch bei der Marge zulegen konnte, obschon der vergangene Sommer mit seinen zahlreichen Flug­lotsenstreiks und den daraus resultierenden Verspätungen den Flugbetrieb massiv behinderten.

Chance auf Turnaround

Seit vier Jahren steht mit Peter Fankhauser ein Schweizer an der Spitze des Unternehmens. Er gilt als Urgestein, der lange Zeit für die operationellen Belange zuständig war. Ihm ist zuzutrauen, dass er die Probleme des vergangenen Jahres konsequent angeht und für das Geschäftsjahr 2018/19 wieder deutlich bessere Resultate vorweisen kann – vorausgesetzt, dass sich der heisse Sommer 2018 nicht wiederholt.

Zu beachten gilt, dass die höhere Schuldenlast mittelfristig zu zusätzlichen Kosten in Form von Zinszahlungen führt. Gelingt es Thomas Cook aber, die Schwächen in der Sparte Tour Operating auszumerzen und die gute Entwicklung im Fluggeschäft weiterzuführen, dürfte 2018 eher als Unfall denn als struktu­reller Einbruch in die Firmenannalen eingehen.

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