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Hot Corner: Zug um Zug

Im Onlineverkauf von Zug- und Bustickets hat sich Trainline als europäischer Marktführer etabliert. Diverse Trends dürften das Unternehmenswachstum weiter ankurbeln.

Frank Heiniger

Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, dürfte die Annehmlichkeiten des Onlineangebots zu schätzen wissen. Bei immer mehr Zug- und Busbetrieben lassen sich Tickets inzwischen über das Smartphone kaufen. Das erspart einem nicht nur den Weg zum Billettautomaten, sondern verringert auch das Risiko, falsche Zonen oder Strecken zu lösen.

Vielen Unternehmen mangelt es jedoch an der technologischen Kompetenz, benutzerfreundliche Ticketplattformen zu betreiben, weshalb oft mit Spezialisten kooperiert wird – wie etwa mit der britischen Trainline (LSE (LSE 6764 -1.54%): TRN, umgerechnet 2,7 Mrd. Fr. Marktkapitalisierung).

Breite Abdeckung

Über die Onlineplattform des 1997 gegründeten Unternehmens können Tickets gelöst werden. Dank einer stetigen Expansion ist Trainline inzwischen Vertriebspartner von 220 Verkehrsbetrieben in 45 Ländern – darunter SBB, Deutsche Bahn, SNCF sowie Flixbus – und deckt damit rund 80% des Zug- und 50% des Busnetzes in Europa ab. Mit einem jährlich über die Onlineplattform abgewickelten Ticketvolumen von gegenwärtig rund 4 Mrd. Fr. ist Trainline europäischer Marktführer.

Umsatz erwirtschaftet Trainline primär über die Provision, die es von den Verkehrsbetrieben für die abgesetzten Tickets erhält. Diese unterscheidet sich von Fall zu Fall, liegt aber meist zwischen 4 und 5% des Verkaufspreises. Weitere Einnahmen generiert Trainline über Buchungsgebühren, die dem Nutzer direkt in Rechnung gestellt werden, sowie Werbung in der eigenen App.

Positiver Netzwerkeffekt

Mehrere Trends dürften das Unternehmenswachstum weiter ankurbeln. So legen in allen relevanten Märkten die Passagierzahlen kräftig zu. Auch wird der Onlinekanal noch nicht so intensiv wie möglich genutzt: In den fünf wichtigsten Absatzregionen Europas werden momentan durchschnittlich nur 39% der Billette über das Internet gekauft.

Zusätzlich zur Expansion in Europa, wo stetig neue Vertriebspartner hinzugefügt werden, ist Trainline seit 2018 auch in Japan aktiv. Zudem soll bald der US-Markt in Angriff genommen werden. Da man jeweils auf die bewährte IT-Plattform zurückgreifen kann, halten sich die Expansionskosten und -risiken in Grenzen. Zudem profitiert Trainline vom Netzwerkeffekt: Mit jedem neuen Partner verbessert sich die Fähigkeit, möglichst effiziente und kundenfreundliche Verbindungen anzubieten.

Das 2015 vom Private-Equity-Haus KKR übernommene Unternehmen ist seit Juni wieder an der Londoner Börse gelistet. Gegenüber dem Ausgabepreis von 350 p hat der Aktienkurs bereits 30% zugelegt. Stattlich ist denn auch die Bewertung. So weist Trainline für das Geschäftsjahr 2021 (per Ende Februar) ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40 auf. Dank der starken Marktstellung und den hohen Wachstumsraten ist eine Prämie zur Branche und zum Gesamtmarkt aber durchaus gerechtfertigt.

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