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Hot Corner: Wächter für saubere Politik

Das US-Softwareunternehmen säubert Polit-Kampagnen von Cyber-Manipulationen. Die Beteiligungsgesellschaft PEH ist dabei.

Thomas Hengartner

Das Internet ist ein höchst effizienter Weg, das Konsumverhalten und die politische Meinung zu beeinflussen. Bei Regierungswahlen in Demokratien kämpfen Kandidaten damit, dass Gegenspieler mit grossen Mengen im Netz platzierter Botschaften in die Meinungsbildung der Wähler eingreifen. Software gegen Cyber-Angriffe und unfaire Meinungsmache werde jetzt für Wahlkampagnen global kostenlos zur Verfügung gestellt, schreibt Matthew Prince. Er ist Co-Gründer und CEO der kalifornischen Cloudflare (NYSE: NET, Börsenwert 5,6 Mrd. $, Kurs 18.60 $).

Prince und die Mitgründerin Michelle Zatlyn verbinden mit diesem vor Wochenfrist publik gemachten Gratisangebot im Politbereich natürlich eine generelle Marketingabsicht. Die beiden hatten 2009 die Ambition, mit der Gründung von Cloudflare – sinngemäss die erhellende Fackel der Datenwolke – zu einem besseren Internet beizutragen.

SIX-kotierte PEH dabei

In mehreren Kapitalrunden warben sie Geld ein – 2018 auch in einem geringen Umfang von der Beteiligungsgesellschaft Private Equity (PEHN 57.5 0.88%) Holding, die an der Schweizer Börse SIX kotiert ist. Gemäss dem letzten Quartalsbericht trug der Börsengang von Cloudflare vor vier Monaten einen stattlichen Bewertungsgewinn ein.

Nach Darstellung des Unternehmens werden seine Softwarekomponenten von beinahe jeder fünften der 10 000 aktivsten Webseiten eingesetzt. Dabei durchlaufe der Datenverkehr in der Daten-Cloud ein Prüfnetz, das mit jeder verarbeiteten Anfrage selbstlernend klüger und effektiver werde. Mehrere US-Fachmagazine haben dem Unternehmen bereits eine Auszeichnung für Innovation oder für unternehmerischen Spirit verliehen.

Allerdings ist Cloudflare auch schon in die Kritik geraten. Sie habe sich zögerlich von Dienstleistungskunden getrennt, deren Internetforen oder Webseiten eine extremismusverdächtige Prägung hätten. Das Management beteuerte, das Unternehmen verbessere technisch die Internetinfrastruktur. Wie weitgehend damit eine Prüfpflicht für Inhalte der unterstützten Seiten verbunden sei, sei nicht klar genug geregelt.

Einnahmen verdreifacht

Kommerziell läuft es rund. Die Einnahmen erreichen eine Jahressumme von 300 Mio. $, was einer Verdreifachung binnen dreier Jahre gleichkommt. Der Bruttogewinn stieg proportional, doch das reichte bislang nicht, um die Geschäftskosten vollständig zu decken.

Das Marktpotenzial scheint intakt. Cyber-Angriffe und damit verbundene Betriebsstörungen sind die ärgste Sorge von Managern, wie eine internationale Umfrage des Versicherers Allianz (ALV 214.65 -0.16%) aufzeigt. Cloudflare wird eine kräftige Entwicklung zugetraut. Elf der vierzehn beim Nachrichtendienst Bloomberg gemeldeten Finanzanalysten empfehlen den Kauf der Aktien.

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