Unternehmen / Ausland

HSBC reagiert mit Strategieschwenk auf Gewinneinbruch

Die britische Grossbank baut ihr Geschäftsmodell um. Die Coronakrise und niedrige Zinsen hinterlassen Spuren.

(Reuters) Europas grösste Bank HSBC (5 405.65 +2.05%) verschärft nach einem Gewinneinbruch ihren Sparkurs und baut ihr Geschäftsmodell um. Im dritten Quartal fiel das Ergebnis vor Steuern wegen der Corona-Krise und den niedrigen Zinsen um 35% auf 3,1 Mrd. $, wie HSBC mitteilte. Statt der Zinseinnahmen sollen die Provisionseinnahmen künftig die wichtigste Einnahmequelle von HSBC werden. Die Kunden müssen sich daher auf höhere Gebühren einstellen. «Wir werden in einigen Märkten prüfen müssen, Gebühren für Basisdienstleistungen zu erheben», sagte Finanzvorstand Ewen Stevenson der Nachrichtenagentur Reuters. Denn wegen der niedrigen Zinsen mache die Bank mit vielen Kunden Verluste.

In wichtigen Märkten wie Grossbritannien sind es die Kunden gewohnt, dass Leistungen wie Girokonten kostenlos sind. Bislang hat HSBC immer stolz darauf verwiesen, dass die mehr als 1,5 Billionen Dollar an Kundeneinlagen ihr hohe Zinsüberschüsse bescheren. Doch im Kampf gegen die Corona-Krise haben die Zentralbanken weltweit die Geldschleusen geöffnet. So hat die Bank of England den Leitzins auf 0,1% gesenkt und prüft Negativzinsen. Die Geldhäuser in der Euro-Zone müssen bereits seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

In Deutschland drehen Banken daher bereits seit Jahren an der Gebührenschraube: Viele haben Kontogebühren erhöht, Preise für Überweisungen angehoben und Strafzinsen für hohe Guthaben eingeführt. Kostenlose Girokonten werden hierzulande kaum noch angeboten oder zumindest an einen Mindestgeldeingang gekoppelt.

HSBC streicht in Deutschland jede fünfte Stelle

Zugleich zwingt der Kostendruck die Banken zu weiteren Einsparungen und Stellenstreichungen. HSBC hatte im Februar angekündigt, weltweit 35.000 Jobs zu streichen. In Deutschland baut HSBC dabei 633 Vollzeitstellen bis 2022 ab – das sind 22% der Ende 2019 vorhandenen Arbeitsplätze. Die Bank plane im Moment keine Ausweitung des Stellenabbaus, doch mit dem fortschreitenden Konzernumbau könne sich das ändern, sagte Finanzchef Stevenson.

Die Erträge von HSBC fielen im dritten Quartal um 11% auf 11,9 Mrd. $. Um gegenzusteuern, will HSBC die jährlichen Kosten nun auf unter 31 Mrd. $ drücken – ein ehrgeizigeres Ziel als im Februar ausgegeben. 2019 lagen die Betriebskosten bei 42,3 Mrd. $.

Auch der Wettbewerber Santander dreht erneut an der Kostenschraube. Die spanische Grossbank kündigte am Dienstag 1 Mrd. € an zusätzlichen Einsparungen bis 2022 und einen Stellenabbau an. Einem Bericht der Zeitung «Expansion» will Santander in Spanien rund 3000 Mitarbeiter entlassen. Damit würden 11% der Arbeitsplätze gestrichen.

Positiv stimmt sowohl HSBC als auch Santander die Entwicklung der Kreditausfälle, die geringer sind als zunächst befürchtet. HSBC erwartet, dass die Vorsorge für faule Kredite am unteren Rand der bisherigen Spanne von acht bis 13 Mrd. $ liegen wird. Wegen der Corona-Krise und der weltpolitischen Spannungen sei diese Prognose aber mit vielen Unsicherheiten behaftet. Im dritten Quartal fielen die Belastungen durch faule Kredite niedriger aus als von Analysten erwartet. Diese hatten der Bank nur einen Vorsteuergewinn von 2,1 Mrd. $ zugetraut. Der unerwartet hohe Gewinn und der Strategieschwenk trieben die HSBC-Aktien mehr als 6% in die Höhe.

Leser-Kommentare