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HSBC streicht 35’000 Stellen

Die britische Grossbank verkleinert das Investment Banking, mit dem Ziel, wettbewerbsfähiger und schlanker zu werden.

(Reuters) Brexit, Coronavirus und die Handelskonflikte zwingen Europas grösste Bank HSBC zu einer Rosskur: 35’000 Jobs fallen weg, das Investmentbanking wird zurechtgestutzt und das Geschäft in Europa und den USA verkleinert, wie HSBC (5 333.1 -3.13%)-Interimschef Noel Quinn am Dienstag verkündete. 2019 brach der Gewinn vor Steuern um ein Drittel auf 13,3 Mrd. $ ein, vor allem wegen milliardenhoher Abschreibungen in Folge des Schrumpfkurses. An der Börse sackten die HSBC-Aktien um 6% ab und waren mit Abstand schwächster Wert im britischen Auswahlindex.

«Wir müssen uns eingestehen, dass wir vor einigen grossen Herausforderungen stehen», sagte Quinn. Die Bank schaffe mit dem Umbau die Voraussetzungen zur Rückkehr auf den Wachstumspfad. Das Geldhaus, das den Grossteil seiner Erträge in Asien erzielt, wächst schon seit längerem nicht mehr so stark in Asien. Zudem hinterlassen der Ausstieg Grossbritanniens aus der EU und die niedrigen Zinsen tiefe Spuren. Der nun angekündigte Stellenabbau fällt viel grösser aus als erwartet. In Medienberichten war von bis zu 10’000 Stellen die Rede gewesen. HSBC selbst hatte im Sommer den Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen in Aussicht gestellt. «Es wird vor allem in London signifikante Streichungen geben», sagte Finanzchef Ewen Stevenson. Betroffen seien das Investmentbanking und die Management-Ebenen.

Wie viele Jobs bei der Tochter in Düsseldorf wegfallen, ist laut Deutschland-Chefin Carola von Schmettow noch unklar. «Ich gehe aber davon aus, dass der Umbau uns nicht so stark betrifft, da wir uns auf profitable, internationale Kunden konzentrieren.» Bei dem Institut arbeiteten zuletzt knapp 3100 Mitarbeiter. Der Nettogewinn fiel 2019 um 16,6% auf 97,5 Mio. €.

HSBC steht mit der Radikalkur nicht alleine da in Europa. Die Deutsche Bank (DBK 7.833 3.19%) hat milliardenschwere Bilanzrisiken in eine Art «Bad Bank» ausgelagert, sie verkleinert den Handel mit Anleihen und macht den Aktienhandel ganz dicht. Weltweit fallen in den kommenden Jahren 18.000 Jobs weg.

Steigende Kreditausfälle durch Coronavirus möglich

Quinn will die Bilanzrisiken der HSBC um 100 Mrd. $ drücken. In Kontinentaleuropa sollen sie um 35% sinken. London soll zwar Zentrum des Investmentbankings bleiben, jedoch werden Aktienhandel und Research verkleinert. In den USA will die Bank ein Drittel ihrer 224 Filialen schliessen und sich auf internationale und vermögendere Kunden fokussieren. Zudem werden die Sparte für Privatkunden und Vermögensverwaltung mit dem Private-Banking-Geschäft verschmolzen, wodurch einer der weltgrössten Vermögensverwalter entsteht. Die Rendite soll bis 2022 auf 10 bis 12% steigen, nachdem sie 2019 auf 8,4 (Vorjahr: 8,6)% gefallen war. Der Konzernumbau soll jährlich Einsparungen von 4,5 Mrd. $ bringen.

Analysten hoben die Daumen für Quinns Pläne. «Die Bank macht nun die Dinge, die offensichtlich waren und von vielen verlangt wurden. Allerdings ist eine Menge Arbeit erforderlich», sagte Chefanalyst Hugh Young vom Vermögensverwalter Aberdeen Asset Management, der zu den 20 grössten Investoren von HSBC gehört. Die Experten der US-Bank Goldman Sachs (GS 199.39 0.72%) bestätigten ihr «Kaufen»-Rating für die Aktien und erklärten in einem Kurzkommentar, HSBC verfolge die richtige Strategie, um die künftigen Risiken in den Griff zu bekommen.

Belastungen erwartet HSBC etwa durch das Coronavirus, das vor allem auf dem chinesischen Festland grassiert. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Viruserkrankung seien längerfristig niedrigere Erträge und steigende Kreditausfälle zu erwarten, sagte Quinn. Volkswirte schliessen nicht aus, dass von einer länger anhaltenden Virus-Welle weltweit Lieferketten betroffen wären und sich das globale Wirtschaftswachstum abschwächen würde. An dem Coronavirus sind nach offiziellen Angaben mittlerweile 1868 Menschen gestorben, gut 72’000 sind infiziert.

Quinn amtiert seit August als kommissarischer Konzernchef, nachdem sein Vorgänger John Flint nach nur 18 Monaten an der Konzernspitze gehen musste. Ihm wurde vorgeworfen, nicht radikal genug auf die sich eintrübende Geschäftslage zu reagieren. Mit seiner nun vorgestellten Strategie bewirbt sich Quinn darum, den Posten dauerhaft zu übernehmen. Eine Entscheidung darüber soll bis August fallen.