Meinungen

Hybride Sorgen um die Grossbanken

Werden Hybridanleihen von Grossbanken ihre Funktion erfüllen und Schocks abfedern? Die ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Mark Dittli.

«Könnten Hybridanleihen sogar als Brandbeschleuniger wirken, als sich selbst erfüllende Prophezeiung, wenn eine Bank in den Abgrund rast?»

Das Finanzsystem steht unter Stress. Die Aktienkurse europäischer Grossbanken erleiden heftige Verluste, die Kosten für Kreditausfallversicherungen schiessen in die Höhe. Nie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 und der heissesten Phase der Eurokrise Ende 2011 war die Nervosität grösser als heute.

Besonders unter Druck steht gegenwärtig die Deutsche Bank (DBK 6.16 4.71%), die sich am Montag und Dienstag gezwungen sah, die Solidität ihrer Bilanz öffentlich zu unterstreichen. Sogar Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble musste bekräftigen, er mache sich keine Sorgen um die grösste Bank des Landes – was die Märkte alles andere als beruhigte.

Im Fokus der Investoren steht die Kapitalstärke der Banken. Genauer: Sie sorgen sich um das sogenannte Hybridkapital, beispielsweise Pflichtwandelanleihen, die die Finanzinstitute in den Jahren nach dem Sturm von 2008 ausgegeben haben.

In der Theorie klingt die Funktionsweise dieses verlustabsorbierenden Fremdkapitals bestechend: Gelangt die Bank an eine definierte Solvenzgrenze, werden die Anleihen automatisch gewandelt oder werden zur Abfederung von Verlusten ausgelöscht. Für die Bank ist die Emission von Hybridkapital günstiger, doch für die Schock-Absorption und damit für die Sicherstellung der Systemstabilität  ist es genauso tauglich wie hartes Eigenkapital.

So weit die Theorie.

Funktioniert das Prinzip auch in der Praxis? Werden sich Hybridanleihen bewähren, sollte eine grosse Bank tatsächlich in schwere Solvenznot geraten? Oder könnten sie sogar als Brandbeschleuniger wirken, als sich selbst erfüllende Prophezeiung, wenn eine Bank in den Abgrund rast?

Die ehrliche Antwort, die alle Bankmanager und Regulatoren geben müssten: Wir wissen es nicht. Die Bewährungsprobe steht erst bevor.

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