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Hypo Alpe Adria erhält 750 Mio. €

Eine ausserordentliche Hauptversammlung der notverstaatlichten österreichischen Skandalbank, die über eine Bad Bank abgewickelt werden soll, hat am Mittwoch die dringend benötigte weitere Geldspritze bewilligt.

Die ausserordentliche Hauptversammlung hat am Mittwoch die Durchführung einer Kapitalerhöhung in Höhe von 750 Mio. € durch die Alleineigentümerin, der Republik Österreich, beschlossen, teilt die Bank mit. Die Massnahme gewährleiste die Erfüllung der gesetzlichen, bankaufsichtsrechtlichen Vorschriften hinsichtlich Kapitalausstattung sowie der Grössenveranlagungsgrenzen durch die Hypo Alpe Adria Bank International und stehe im Einklang mit der Beihilfenentscheidung der Europäischen Kommission vom 3. September 2013. Die Bank hatte kürzlich mitgeteilt, sie benötige bis Herbst 2014 insgesamt 1,43 Mrd. € an Staatshilfen.

Die erste Tranche von 750 Mio. € wurde quasi in letzte Minute bewilligt – eine reine Formsache, bei den eindeutigen Mehrheitsverhältnissen. Die Europäischen Zentralbank (EZB) hat der Hypo bereits den Liquiditätshahn zugedreht und ihr «bis auf weiteres» die Teilnahme an geldpolitischen Refinanzierungsgeschäften und den Zugriff auf die Spitzenrefinanzierungsfazilität verwehrt, teilte die Hypo mit. Den Beschluss habe der EZB-Rat aufgrund der Kapitallücke der Bank gefällt.

Weiterer ehemaliger Top-Banker verurteilt

Die ehemalige BayernLB -Tochter Hypo Alpe Adria erklärte, die EZB-Entscheidung habe keine unmittelbaren negativen Auswirkungen auf die eigene Liquiditätssituation, da sie derzeit keine derartigen Refinanzierungsfazilitäten bei der EZB in Anspruch nehme.

Derweil ist ein weiterer ehemaliger Top-Banker der Hypo verurteilt worden. Das Landgericht Klagenfurt verurteilte Ex-Vorstand Tilo Berlin zu 26 Monaten Haft wegen Untreue. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Berlin die Bank durch Nebenvereinbarungen mit Investoren geschädigt hat. Dabei ging es um die Ausgabe von Vorzugsaktien, deren Rückkauf den Investoren versprochen wurde. Berlin war von der BayernLB als Vorstandschef bei der Skandalbank in Klagenfurt eingesetzt worden. Berlins Verteidiger kündigte Berufung an.

Österreich und Bayern prozessieren

In dieser Sache waren bereits Ende Februar drei ehemalige Bankmanager zu Haftstrafen verurteilt worden. Die Ausgabe der Vorzugsaktien im Wert von mehr als 100 Mio. € war seinerzeit als Eigenkapital ausgewiesen worden. Dies könnte auch eine Rolle bei der Beurteilung der Lage der Hypo Alpe Adria vor dem Mehrheitserwerb durch die BayernLB im Jahr 2007 spielen. Die Österreicher und die Bayern streiten seither vor mehreren Gerichten, weil sich beide vom jeweils anderen Vorbesitzer getäuscht fühlen.

So ist die BayernLB beim fatalen Kauf von Anteilen der Hypo Alpe Adria 2007 nach Einschätzung eines Sachverständigen von fragwürdigen Unternehmensbewertungen ausgegangen. Die Kärntner Bank sei im ersten von mehreren Gutachten vor dem Kauf viel zu hoch bewertet worden, sagte der Leipziger Bankenprofessor Bernhard Schwetzler am Montag in einem Strafprozess gegen frühere BayernLB-Vorstände in München.

Gewinne seien quasi doppelt gerechnet worden, so dass die Hypo nach Ansicht von Schwetzler mit einem Firmenwert von lediglich 1,3 Mrd. € statt 2,8 Mrd. hätte angesetzt werden müssen. Einen derart «dicken Schnitzer» hätten die verantwortlichen beim Kauf erkennen müssen, so der Wirtschaftswissenschaftler. Die in München angeklagten BayernLB-Vorstände hatten sogar einen Wert von rund 3,2 Mrd. € für 100% der Anteile zu Grunde gelegt und für gut die Hälfte der Anteile rund 1,7 Mrd. € gezahlt.

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