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Hypo Alpe Adria – ein Zombie kehrt zurück

Das Probleminstitut braucht womöglich erneut Staatshilfe, doch hat sich die Priorität bei der Rettung von Banken verändert. Obligationäre sollten sich nicht mehr allzu sicher fühlen vor der Beteiligung an Verlusten.

«Manchmal kommen sie wieder», hiess ein Zombie-Gruselfilm aus dem Jahr 1991. Spätestens seit der Krise gehen die Untoten auch in der Finanzbranche um: Banken, die vom Staat gerettet werden und danach ein Dasein an der Grenze zwischen Leben und Tod fristen. Als weder richtig tot noch lebendig galt vielen etwa die österreichische Bank Hypo Alpe Adria. Dafür war sie lange eines: gründlich vergessen. Jetzt, fast fünf Jahre nach ihrer Rettung, ist sie zurück und könnte die Anlegerwelt erneut unsicher machen.

Die vergessene Rettung

Die Rettung der angeschlagenen Kärntner Landesbank Hypo Alpe Adria im Dezember 2009 kam in letzter Minute. Für einen symbolischen Euro je Alteigentümer wurde die damals sechstgrösste Bank Österreichs mit einer Bilanzsumme von mehr als 40 Mrd. € zwangsverstaatlicht, um noch Schlimmeres zu verhindern: Eine Insolvenz hätte einen Dominoeffekt auslösen können. Sie wäre für die Republik und den Bankenstandort nur schwer verkraftbar gewesen. Kärnten, Österreichs damals am höchsten verschuldete Bundesland, wäre wegen der Landeshaftung von 19 Mrd. € – das Zehnfache des Jahresbudgets – bankrottgegangen und hätte das Budgetdefizit der Republik auf deutlich über 100% katapultiert. Die Alteigentümer mussten mitzahlen: Die Bayern LB (67,1%), das Land Kärnten (12,4%) und die Grazer Wechselseitige Versicherung (20,5%) schossen rund 1 Mrd. € ein. Der Bund, der bereits 2 Mrd. € Partizipationskapital im Rahmen des Bankenhilfspakets zur Verfügung gestellt hatte, legte bis zu weitere 450 Mio. € nach. Dazu kamen Liquiditätshilfen von 3,4 Mrd. € vonseiten der vormaligen Eigentümer und 500 Mio. € von Österreichs Grossbanken.

So sehr Hypo Alpe Adria mit der Vergangenheit abgeschlossen haben mag – die Vergangenheit scheint mit ihr noch lange nicht fertig.

Die Regierung steht unter Druck

Vergangene Woche erklärte Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann, die Regierung habe damals mit der Rettung richtig gehandelt. Damit sei die Gefahr gebannt worden, eine Kernschmelze im Finanzsystem zu provozieren, wie sie etwa das Unterlassen einer Rettung der Creditanstalt 1931 ausgelöst hatte. Doch wie Bloomberg berichtet, könnte die erst vor fünf Monaten mit knappem Mehr gewählte Regierung unter Druck kommen. Die letzten Umfragewerte deuten darauf hin, dass das Vertrauen in die sozialdemokratische Regierung erodiert, während euroskeptische Parteien wie die Freiheitspartei Zulauf erhalten. Den traditionellen Parteien wird vorgeworfen, in der Affäre Hypo Alpe Adria inaktiv zu sein und einfach darauf gesetzt zu haben, dass sich die Probleme mit der Erholung auswachsen. Eine Mitte Februar gegründete Facebook-Gruppe namens «Hupe gegen die Hypo» ruft Autofahrer dazu auf, laut zu hupen, wenn sie an der Hypo-Zentrale in Kärnten vorbeifahren.

Der Regierung wird vorgeworfen, sich in den Jahren seit der Rettung nur wenig darum gekümmert zu haben, was auf der Bilanz der Bank vor sich geht. Experten fordern deshalb, die «Black Box» Hypo Alpe Adria müsse geöffnet werden. Die Europawahlen im Frühling könnten zum Zahltag für das Krisenmanagement der Bank  werden.

Ausstehende Obligationen an der SIX

Hypo Alpe Adria und Hypo Alpe Adria International haben noch fünf Anleihen ausstehend, die an der Schweizer Börse SIX gehandelt werden, vier davon in Franken im Wert von 1,25 Mrd. sowie zwei über 2,7 Mrd. €. Letztere sind zwar an der SIX handelbar, aber nicht kotiert. 750 Mio. € davon verfallen am 17. März. Heuer müssen zudem weitere 400 Mio. Fr. am 15. Oktober zurückgezahlt werden.

Die Bonds sind von Moody’s alle mit Baa2 bewertet, mit der Ausnahme einer der Anleihen in Euro, die besichert ist. Moody’s bewertet sie mit Aa2. Öffentliche Pfandbriefe ohne Garantie hatte die Agentur im Dezember 2009 von Aa1 auf Aa2 zurückgestuft. Die Ausfallbürgschaft des Landes Kärnten, das mit A2 eingestuft ist, war 2007 auf Drängen der EU ausgelaufen, gilt indes weiterhin für Anleihen, die vor dem 3. April 2003 oder zwischen diesem Datum und dem 1. April 2007 emittiert wurden und vor Anfang Oktober 2017 auslaufen. Die ausstehenden Frankenanleihen fallen in diese Kategorie, auch der Covered Bond (CB).

Seit November 2013 handeln Anleihen von Hypo Alpe Adria unter pari, derzeit bei 90 bis etwa 99% des Nominals. Beim höchsten Wert handelt es sich um die besicherte Anleihe (Covered Bond). Der grösste Kurssturz setzte in der zweiten Hälfte Februar ein. Doch warum sollten sich Obligationäre Sorgen machen? Die Bank wurde vom Staat übernommen, die Obligationen geniessen Staatsgarantie, oder?

Von Irland über Zypern nach Österreich

Die EU-Kommission geht in einem gestressten Szenario von einem Kapitalbedarf von 5,4 Mrd. € aus. Dazu kommt ein Liquiditätsbedarf von bis zu 3,3 Mrd. €. Das heisst, zusätzlich zu den bisherigen Rettungsgeldern könnte Österreich eine weitere Rechnung von 8,7 Mrd. € ins Haus flattern. Es ist wohl eine Untertreibung zu sagen, dass ein solcher Schritt der Regierung sehr unpopulär wäre. Doch nicht nur gärt es im Volk. Nach den Rettungsaktionen in der Finanzkrise hat der Wind in der Frage, wer für Bankverluste aufkommen soll, längst gedreht. Obligationären bläst eine steife Bise ins Gesicht. Rettungen auf Kosten des Steuerzahlers sind überhaupt nicht mehr in Mode.

Die hohen Staatsschulden in Irland sind grösstenteils darauf zurückzuführen, dass die Obligationäre bei der Bankenrettung 2009 geschützt wurden und sich an den Verlusten der irischen Grossbanken nicht beteiligen mussten. Doch spätestens seit der Zypernkrise vergangenes Jahr ist damit Schluss, Investoren werden immer mehr zur Kasse gebeten. Die Richtlinie der EU hat diese Doktrin dann offiziell gemacht: Ende Juni 2013 hat die EU die Rangfolge der Gläubiger, die an den Verlusten beteiligt werden (Bail-in), festgelegt. Und Anfang Juli hat die Kommission Vorschläge für die Gestaltung einer zentralen Abwicklungsbehörde vorgelegt (vgl. hier).