Zum Thema: Kudelski durchläuft ein Wechselbad

«Ich erwarte weitere Kooperationsvereinbarungen»

Joe Chernesky, Kudelskis Patentstratege, sieht das Unternehmen trotz Kritikpunkten auf gutem Weg.

Ein kalifornisches Gericht hat Kudelski (KUD 4.08 +0.74%) im Dezember nur teilweise Rückendeckung in einer Klage gegen Netflix (NFLX 493.37 +1.38%) gegeben. In den Niederlanden wurde ein Patent gar als nicht verletzt beurteilt. Nun schliessen die Westschweizer eine Kooperation mit Netflix ab – wie das?

Joe Chernesky, Senior Vice President of Intellectual Property Kudelski, sagt im Gespräch, die primäre Mission seines Teams sei, den technologischen Fussabdruck Kudelskis «auszuweiten».

Zu den Patentklagen meint er, nur in den Fällen, in denen eine Produktvereinbarung nicht einem «gegenseitigen vorteilhaften Ausgang eines Verfahrens» entspreche, gehe Kudelski einen Lizenzdeal ein. Übersetzt dürfte das heissen: Wäre die Position Kudelskis unüberwindbar, hätte es wohl Aussicht auf Lizenzzahlungen von Netflix gegeben.

Der Patentspezialist sagt, Kudelski sei «sehr glücklich» mit dem Deal. Alle hängigen Streitigkeiten mit Netflix seien ausgeräumt, die Klage in den USA komplett aufgegeben, das Verfahren in Den Haag in eine langfristige «Parkposition» gebracht. Der Deal sei «sehr gesund für Kudelski», aber könne auch gut für Netflix sein. Netflix ist im Over-the-Top-Geschäft (dem Vertrieb von Dienstleistungen und Inhalten via Internet) einer der wichtigsten Spieler.

Gemäss Chernesky ist es «nur normal», dass im Laufe eines Verfahrens einige Patente vom Gericht validiert würden, andere nicht. Jedes zusätzliche Lizenzabkommen würde den Wert des Patentportfolios stärken, meint Chernesky, und Unterstützung für weitere Lizenzdiskussionen geben. Er verweist als «Beleg für die Werthaltigkeit» der Patente auch auf das Überkreuz-Lizenzabkommen mit dem US-Netzwerkausrüster Cisco. Mit Netflix werde Kudelski «zusammenarbeiten, um unseren Kunden und den Konsumenten ein besseres TV-Erlebnis anbieten zu können», sagt Chernesky. Zu Details äussert er sich nicht.

Was den Stand der Klage gegen Apple (AAPL 127.45 +1.98%) betrifft, sagt er nur, es gehe hier um «zwei komplett unterschiedliche Fälle». Kudelski habe ferner in zwei weiteren Patentklagen eine Einigung erzielt, davon eine mit der Multimediaplattform Vevo (Sony (SONY 94.15 +1.27%), Universal, Abu Dhabi Media). Kudelski sei «derzeit in Diskussionen mit einer Reihe Unternehmen aus dem Digital-TV- und Video-Streaming-Geschäft». Es seien «weitere Meldungen von Kooperationsvereinbarungen zu erwarten».

Was die Risiken seiner Patentmonetarisierungsstrategie betrifft, ist der Manager zurückhaltend. Die «Abwärtsrisiken» seien limitiert, hauptsächlich gehe es um Verfahrensdauer sowie potenziellen Verlust ausgewählter Patente. Dies stimme ihn nicht besonders sorgenvoll angesichts der Tausende Patente Kudelskis. Die Strategie sei erfolgreich und erziele «handfeste ökonomische Vorteile». Kudelski investiere jährlich über 100 Mio. $ in Forschung und Entwicklung  und reiche «regelmässig bahnbrechende  Patentanwendungen» ein, sodass sich das Patentportfolio stetig erneuere und wachse. «Wir haben eine gut ausbalancierte Verteilung des Patentalters, und die Qualität des Portfolios steigt kontinuierlich», betont Chernesky.

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