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«Ich war beschämt, als ich von den Manipulationen erfuhr»

Die britische Parlamentskommission nimmt UBS-Führungsleute wegen der Libor-Manipulationen in die Mangel. Die befragten Führungspersonen räumen Fehler ein.

Mehrere aktuelle und ehemalige Chefs der UBS (UBSG 11.17 4.69%) haben vor einem Ausschuss des britischen Parlaments zu den Libor-Manipulationen Stellung genommen. Alle waren sie «geschockt» über die Vorgänge in der Bank, gewusst haben sie gemäss eigenen Aussagen nichts. Doch bei den Befragungen kam mehr als das heraus. Was die UBS-Manager da von sich gaben, deutet auf strukturelle Schwächen im Bankgeschäft hin.

«Ich war schockiert, peinlich berührt und beschämt, als ich von der Manipulation las», sagte der frühere UBS-Gesamtchef Marcel Rohner den Mitgliedern der Kommission für Bankstandards in London. Er habe davon erst aus den Medien erfahren. Huw Jenkins, Ex-CEO der UBS Investment Bank und zur selben Zeit wie Rohner befragt, gab zu, es sei schwer zu glauben, aber «das obere Management und auch ich persönlich hatten keine Kenntnisse der Libor-Manipulationen».

«Zu arrogant»

Die Mitglieder der Kommission des britischen Parlaments waren unbeeindruckt, der Präsident bezeichnete das Verhalten der Führungsriege gar als grobfahrlässig. Die Kommission, der unter anderem das designierte Oberhaupt der anglikanischen Kirche – Bischof Justin Welby – angehört, untersucht das Verhalten und die Kultur im Finanzsektor, nachdem die Manipulation des Geldmarktreferenzzinses Libor bekanntgeworden ist. Als Zeugen einge­laden waren unter anderem Chefs der britischen Bank Barclays (BARC 124.88 4.61%). Barclays hatte im Sommer 450 Mio. $ Bussen wegen Libor-Manipulation bezahlt, die Strafe für UBS kam auf 1,4 Mrd. $ zu liegen.

Die befragten Führungspersonen räumten Fehler ein. Der aktuell höchste Investmentbanker der UBS, Andrea Orcel, sagte, die Kultur im Bankensektor müsse sich ändern. «Nach einem langen Bullenmarkt, ungehindertem Wachstum und grosszügigem Zugang zu Fremdkapital waren wir alle zu arrogant, von uns selbst überzeugt», sagte er. Jetzt gelte «Integrität vor Profit», eine Aussage, die sinngemäss UBS-CEO Sergio Ermotti an der letzten Generalversammlung gemacht hatte. Rohner gestand, die Bank habe die «Fähigkeiten der Risikokontrolle überschätzt». Das war nicht nur im Fall des Interessen­konflikts bei der Libor-Eingabe so. Dasselbe gilt für die riesigen Verluste auf ­US-Hypothekenpapieren während der Finanzkrise, den Handelsverlust eines Traders und auch die Betreuung von US-Kunden, die Steuern umgingen. Das ist eine lange Liste von Verfehlungen, die allesamt teuer zu stehen kamen.

Orcel und Rohner erkannten überdies strukturelle Schwächen, die nicht nur für UBS, sondern die gesamte Bankbranche gelten. Zum Beispiel forciertes Wachstum: UBS wollte im Handel mit festverzinslichen Wertschriften zu rasch zur Konkurrenz aufschliessen. Bei dieser Aufholjagd ging es um Grösse – Risiken und Kultur wurden dabei vernachlässigt. Rohner bezeichnete einige der im Aufbau angeheuerten Leute als «Söldner». Mit diesem Anwerben schaffe man eben keine Kultur, wie Rohner sagte. Das stimmt besonders, wenn man ganze Teams von Konkurrenten übernimmt und nicht mit eigenen Mitarbeitern durchmischt.

Orcel sagte, UBS habe die zahlreichen Einheiten nicht richtig verschmolzen, was zu einer hohen Komplexität geführt habe. Die angekündigte Schrumpfung der Investment Bank werde der Kultur und dem Verhalten förderlich sein, versprach er. «Damit wird der Fokus geschärft, und es ist einfacher, alles zusammenzuhalten», sagte er. UBS hatte im Oktober bekanntgegeben, den grössten Teil des Geschäfts mit festverzinslichen Produkten aufzugeben und die Risikopositionen herunterzufahren.

Falsche Entlohnung

Als Schwachpunkt wurde obendrein die ergebnisabhängige Entlohnung genannt. Das Prinzip sei nach wie vor in Ordnung, sagte Orcel, «aber es war übertrieben, indem sie sich am Ertrag oder am Vorsteuergewinn orientierte. Wir nehmen heute den ökonomischen Gewinn als Massstab.» So werden die eingegangenen Risiken miteinbezogen. Rohner meinte, die Entlohnung habe eine Rolle bei den Verfehlungen gespielt. Er meinte auch, er würde sich weniger beeindrucken lassen von Leuten, die in Lohngesprächen drohten, von der Bank wegzugehen.

Solche Selbstkritik ist von Bankern selten zu hören. Es brauchte eine lebensbedrohende Finanzkrise und hohe Bussen, damit sie es einsahen.

Leser-Kommentare

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Nicolaj Kugler 11.01.2013 - 16:14

Das die internen Kontrollmechanismen nicht funktionieren hat auch der Spekulationsskandal in London gezeigt, als 2.4 Milliarden Dollar verspekuliert wurden.
Ich hoffe die UBS lernt aus ihren Fehlern, auf dem richtigen Weg befindet sie sich jedenfalls.