Der Dollar fällt. Die Zinsen steigen. Die Steuern werden für Unternehmen und Wohlhabende gesenkt. Die Staatsausgaben werden ausgeweitet. Die Defizite nehmen zu. Ausländische Ersparnisse sind nötig, um sie zu decken. Die Arbeitslosigkeit ist rekordverdächtig tief. Die Löhne werden anziehen. Die Inflation dürfte zunehmen. Die Konjunktur brummt. Technologische Innovation schreitet in atemberaubendem Tempo voran. Davon wird die global führende Branche der USA auf Jahre hinaus profitieren. In zehn Handelstagen hat der S&P 500 (SP500 3298.46 1.6%) rund 11% verloren. In fünf Handelstagen hat er die Hälfte aufgeholt. Was macht man mit dieser Nachrichtenlage?

Nun, an diesem Punkt bringe ich die technische Analyse ins Spiel und behaupte, kein Bärenmarkt in der Geschichte der grossen Börsen der Welt sei jemals unangekündigt hereingebrochen. Zuvor habe stets entweder eine Akzeleration – ausgelöst durch massive spekulative Blasen in einem bis drei Sektoren – des vorangegangenen Trends eingesetzt (Typ eins einer Trendwende), oder es sei während mehrerer Monate eine Periode trendloser Volatilität vorangegangen (Typ zwei einer Trendwende) – oder eine Kombination beider Erscheinungen sei feststellbar gewesen (Typ drei).

Zeitlos gültige Regeln

Nach dieser Erinnerung an Erlerntes und Erlebtes kommt auch bei mir eine Frage auf: Kann davon ausgegangen werden, dass sich eines dieser Muster wiederholt, wenn der Ausstieg aus einer Geldpolitik vollzogen wird, wie es sie noch nie gegeben hat? Könnte dies der Motor hinter einem Bärenmarkt sein? Ich bin zum Ergebnis gekommen, dass auch dieses Mal eine Baisse erst nach einer klassischen Vorwarnung in Form des Auftretens von Typ eins, zwei oder drei stattfinden wird.

Der erste Grund besteht darin, dass auch vor früheren Bärenmärkten ökonomische Konstellationen vorhanden waren, deren Wirkung sich auf Wirtschaft und Börse ebenso nebulös darstellte wie die jetzige. Oder denken Sie etwa, die Folgen des Ölpreisschocks von 1973 oder des Lieferboykotts mit anschliessender Energiekrise 1979 waren besser abschätzbar? Oder die der lateinamerikanischen Schuldenkrise, die im August 1982 ausbrach, die Banken auch im Westen völlig unvorbereitet traf und erst 1990 durch die Einführung der Brady-Bonds als bewältigt galt? Mitnichten! Es waren «Jamais-vus» wie die Geldpolitik seit 2008.

Umpolen braucht Zeit

Der zweite Grund ist der, dass symmetrisch verteilte Informationen asymmetrisch interpretiert werden. Die Interpretationen, die sich als erfolgreich herausstellen, stossen zunehmend auf Akzeptanz, und die daraus abgeleiteten Erwartungen werden imitiert. Dieser Prozess dauert Monate. Das liegt ganz einfach daran, dass Millionen von Gehirnen, die sich von Hausse auf Baisse umstellen müssen, nicht alle zur selben Zeit davon überzeugt werden, dass sich etwas Markantes verändert hat.

Der Rückschlag, der am 26. Januar seinen Anfang nahm, mag ein erster Schritt in Richtung einer Transition von Hausse zu Baisse gewesen sein – oder auch nicht. Die Transition selbst war er mit Sicherheit noch nicht. Es geht jetzt darum, die Börse regelmässig auf Signale auszuhorchen, die zu Typ eins, zwei oder drei gehören, um sich rechtzeitig im Sinne von Andrew Lo und seiner «Adaptive Market Hypothesis» dem Markt – dem Herrscher über unser Wohl und Weh – anzupassen.