Meinungen

Immer mehr Stromimporte

Die Versorgungssicherheit im Bereich Elektrizität ist keine Selbstverständlichkeit. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Es ist höchste Zeit, dass sich die Politik von ihrer energiepolitischen Sorglosigkeit verabschiedet und sich mit den Realitäten beschäftigt.»

Die Versorgungssicherheit im Bereich Strom ist derzeit kein Problem. Das ist das zunächst beruhigende Fazit, das die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) an ihrer Jahresmedienkonferenz gezogen hat. Das gilt, obwohl die Stromimporte stetig steigen. In den vergangenen zwei Jahren war die Schweiz netto ein Stromimporteur. Im Winter 2016/17 musste gar gegen ein Drittel des Stroms importiert werden.

Das führt leicht zum Schluss, die Versorgungssicherheit sei auf absehbare Zeit kein Thema. Das ist die Position des Bundesamtes für Energie. Dabei kann man sich allerdings des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass das Amt in erster Linie politische Aussagen macht und der Wunsch zum Vater des Gedankens wird.

Differenzierte Sicht

Gut gibt es da noch die, von der Verwaltung unabhängige, ElCom. Sie pflegt eine differenzierte Sicht der Dinge. Das gilt auch für ihre «Studie zur Versorgungssicherheit der Schweiz im Jahr 2025». Auch da ist der erste Schluss beruhigend: Die ElCom sieht keinen Bedarf für Sofortmassnahmen.

Dennoch lassen zwei Befunde aufhorchen. Angesichts der steigenden Stromimporte vorab im Winterhalbjahr und mit Blick auf die Ausserbetriebnahme der Kernkraftwerke sei dafür zu sorgen, «dass ein substanzieller Teil der wegfallenden Winterproduktion weiterhin im Inland produziert wird». Das klingt simpel, ist es aber nicht.

Sonne und Wind lösen das Winterproblem nicht. Ein markanter Ausbau der Wasserkraft dürfte auch nur schwer möglich sein. Bleibt noch Gas, das mit Blick auf die Klimaerwärmung allerdings kein Thema sein sollte. Die Kommission wollte dazu wohlweislich keine Aussage machen.

In der Studie wurden zudem verschiedene Stressszenarien für die Stromversorgung gerechnet – im Wissen um die Unsicherheiten der entsprechenden Resultate. Im Basisszenario, das im Wesentlichen den heutigen Gegebenheiten entspricht, sollte bis 2025 nichts schiefgehen.

Vorbereitung für Notsituationen

Zieht man allerdings in Betracht, dass die Lieferbereitschaft von Frankreich (Atomstrom) und Deutschland (Kohlestrom) demnächst sinken könnte, ergeben sich andere Erkenntnisse. In Deutschland gehen in den frühen 2020er Jahren die letzten Kernkraftwerke vom Netz. Die Lieferfähigkeit und -willigkeit Deutschlands dürfte in der Folge sinken, zumal die Kohlekraftwerke auch in der Kritik stehen.

Gemäss ElCom-Präsident Carlo Schmid-Sutter wäre ein Lieferunterbruch von wenigen Stunden problemlos zu verkraften. Sollte er sich allerdings auf Tage oder Wochen ausdehnen, würden sich ernsthafte Probleme stellen. Die Schweiz stünde dann ziemlich allein, wie Schmid vor den Medien maliziös festhielt.

Die Versorgungssicherheit im Bereich Strom ist mittel- und längerfristig alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Die ElCom fordert denn auch, dass Vorbereitungen für sofort auslösbare Massnahmen in Notsituationen ergriffen werden. Es ist höchste Zeit, dass sich die Politik von ihrer energiepolitischen Sorglosigkeit verabschiedet und sich mit den Realitäten beschäftigt.

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