Blogs / Einfach anlegen

In fünf Schritten zum passenden Fonds

Aktiv gemanagte Anlagefonds sind in der Schweiz populär. Die FuW-Checkliste hilft bei der Suche nach dem richtigen Produkt.

Pascal Meisser

Zu den beliebten Möglichkeiten, breit abgestützt in Wertschriften zu investieren, gehören die Anlagefonds. Allein in den letzten zwanzig Jahren hat sich das von Fonds verwaltete Ver­mögen vervielfacht.

Anlagefonds werden von Fondsmanagern aktiv gemanagt. Das heisst, dass sie anhand ihrer Analysen entscheiden, in welche ­Titel sie investieren. Fonds werden von fast allen grösseren Vermögensverwaltern sowie Banken angeboten. Dominiert wird der Markt von den beiden Gross­banken sowie Swisscanto, die zur Zürcher Kantonalbank (ZKB) gehört. Neben den Giganten gibt es viele kleinere Anbieter, die in ihren Bereichen gute Produkte offerieren.

Üblicherweise beschränkt sich das Anlageuniversum der Fondsmanager auf eine Region, einen Anlagestil oder spezifische Sektoren. Dies ist in der Regel bereits aus der Fondsbezeichnung ersichtlich. So setzt zum Beispiel der Swiss Small and Midcap Fund des Vermögensverwalters zCapital auf Titel von kleinen und mittelgrossen Unternehmen aus der Schweiz.

Allerdings ist es in der Masse von Anlagefonds, die in der Schweiz erhältlich sind, nicht einfach, den Durchblick zu behalten. Die folgende Checkliste sowie einige Tipps sollen Investoren helfen, aus den Tausenden von Fondsprodukten die wahren Perlen herauszufischen.

1 Kosten prüfen

Ein Anlagefonds kann zur Kostenfalle werden. Deshalb sollte man sich genau über die Gebühren informieren. Bereits beim Kauf fordern die meisten Banken eine sogenannte Ausgabekommission, die bis zu 5% der investierten Summe betragen kann. Diese Gebühr soll die Beratungsleistung der Bank entschädigen, selbst wenn der Anleger sie nicht in Anspruch genommen hat.

Daneben fällt eine jährliche Managementgebühr an, die je nach Fonds zwischen 1 und 2% pro Jahr ausmacht. Diese Kosten werden als TER (Total (FP 38.72 -1.53%) Expense Ratio, Gesamtkostenquote) bezeichnet. Der Name ist irreführend, weil die TER nicht sämtliche anfallenden Kosten umfasst. ­Zusätzlich zu den Managementgebühren kommen Transaktionskosten, die beim Umschichten des Fondsvermögens anfallen, sowie Depotgebühren hinzu.

Die Gesamtkosten eines Fonds sind gerade bei einem langfristigen Anlagehorizont bedeutend. Denn die bezahlten Gebühren gehen letztlich auf Kosten der ­Performance. Erzielt der Fonds eine Jahresperformance von 40%, mag eine Gesamtgebühr von 2% pro Jahr vernachlässigbar sein. Allerdings gilt es zu beachten, dass die Gebühren auch dann anfallen, wenn der Fonds in einem Jahr kaum an Wert gewinnt oder gar Verlust macht.

Tipp: Wer Fonds über seine Hausbank erwirbt, sollte versuchen, die meist hohen Ausgabekommissionen zu verhandeln. Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Fonds direkt über einen Onlinebroker zu kaufen. So entfällt diese Gebühr.

Um die jährlich wiederkehrenden Kosten möglichst tief zu halten, lohnt es sich, verschiedene Produkte mit dem gleichen Anlagefokus – etwa europäische Aktien – zu vergleichen. Dabei gilt: Der günstigste Anbieter ist nicht selbstredend der beste. Aber bei vergleichbaren Fonds sollte der Anleger tendenziell Anbieter bevorzugen, die niedrigere Gebühren verlangen.

2 Informationen suchen

Es würde zu weit gehen, vom Investor eine vertiefte Analyse von Anlagefonds zu verlangen. Um einen ersten Überblick zu ­erhalten, ist er gut beraten, die in Frage kommenden Fonds vor dem Kauf ­anhand der öffentlich zugänglichen Informationen genau an­zuschauen. Eine wichtige Quelle ist die Homepage des Fondsanbieters. Dort findet der Anleger alle ­relevanten ­Informationen zum Fonds. Aufschlussreich ist vor allem das Factsheet, das meist einmal pro Monat aktualisiert wird.

In diesem Dokument findet der Investor das Anlageziel des Fonds. So lässt sich entnehmen, ob der Anbieter langfristig einen Wertzuwachs anstrebt oder kurz­fristige Chancen auszunutzen probiert. Ebenso ist darin eine Übersicht zu den zehn grössten Positionen des Fonds enthalten, ausserdem die Angabe des Vergleichsindex (zum Beispiel Swiss Performance Index), die Wertentwicklung in der Vergangenheit sowie eine Übersicht über die wichtigsten Kennzahlen.

Tipp: Es lohnt sich, den Abschnitt zur Anlagestrategie genau zu lesen. Entspricht sie der eigenen Risikofähigkeit? Sinnvoll ist auch, den Fondsmanager zu durchleuchten. Wie lange führt er den Fonds schon? Wie gut kennt er die Unternehmen, in die er investiert ist? Hier gibt ­bereits eine Google-Suche Aufschluss, indem etwa bei den Suchergebnissen In­terviews erscheinen, in denen er sich zu diesen Gesellschaften äussert.

3 Fondsstrategie wählen

Das führt uns bereits zu Punkt drei. Die Strategie des Fonds ist bei der Auswahl des passenden Produkts ebenso wichtig wie die Kosten. Denn wer in Anlagefonds investiert, sollte einen Zeithorizont von mindestens fünf bis zehn Jahren ­aufweisen. Für kurzfristigere Engagements sind kotierte, passiv gemanagte ­Exchange Traded Funds (ETF) aus Kostengründen besser geeignet.

Längerfristige Treue zu einem Fonds kann sich auszahlen, weil ein Fondsmanager in der Regel nicht darauf aus ist, stets auf Jahresbasis hervorragende Rendite­zahlen zu bringen. Gute Fondsmanager investieren in Unternehmen, von denen sie mittel- bis langfristig überzeugt sind, selbst wenn es Zeit braucht, bis sie die gewünschte Performance erbringen.

Sobald diese vom Markt entdeckt werden, kann es mit den Kursen plötzlich schnell aufwärtsgehen. Allerdings halten sich solche Bewegungen nicht an Kalenderjahre. Deshalb sind die oft publizierten Fondsperformancevergleiche über ein oder drei Jahre oft wenig hilfreich.

Tipp: Bei Fonds von langfristig erfolg­reichen Managern kann es sich auszahlen, die Produkte dann zu kaufen, wenn sie kurzfristig schlechter performen als der Gesamtmarkt. Das liegt meistens ­daran, dass die im Fonds enthaltenen ­Valoren gerade nicht gefragt sind oder dass sie nach einem guten Lauf erst etwas konsolidieren müssen. Die Chance, dass sie in den kommenden Jahren ­wieder deutlich besser abschneiden, ist deshalb relativ gross.

4 Zweitmeinung einholen

Fondsanbieter nützen mitunter die Möglichkeit aus, sich in ihren Faktenblättern so attraktiv wie möglich darzustellen. So könnten etwa schlechte Fonds ihre Performance in der Vergangenheit mit geschickt ausgewähltem Zeithorizont beschönigen. Es ist empfehlenswert, eine oder mehrere Informationsquellen von anerkannten Fondsdatenanbietern anzuwählen.

In der Schweiz bietet Swiss Fund Data (swissfunddata.ch) einen guten Überblick über die hierzulande zugelassenen Anlagefonds. Ebenfalls hilfreich ist der Internetauftritt von Morningstar (morningstar.ch). Das international tätige Fondsanalysehaus bietet vertiefte Infos zu allen Anlagefonds und bewertet sie mit Sternen – von fünf (sehr gut) bis einem (sehr schlecht).

Tipp: Morningstar (MORN 253.32 -3.35%) gibt bei den Fonds nicht nur an, wie sie sich im Vergleich zum Index geschlagen haben, sondern auch, ob das ausgewählte Produkt besser oder schlechter als der Durchschnitt der Fonds performt.

5 Kennzahlen checken

Im grossen Dschungel der Kennzahlen sollten folgende beachtet werden.

Fondsvolumen: Das Volumen ist ein Indiz, ob ein Fonds effizient investieren kann. Liegt es unter 50 Mio. Fr., dürfte er kaum kostendeckend arbeiten. Damit erhöht sich das Risiko, dass er vom Markt verschwindet. Der Investor muss in diesem Fall sein Geld neu anlegen, was zu zusätzlichen Kosten führt.

Active Share: Einige Fondsanbieter weisen die Kennzahl Active Share aus. Sie zeigt, wie stark sich ein Fonds vom Vergleichs­index unterscheidet. Je höher die Kennzahl, desto unterschiedlicher ist die Gewichtung der Titel im Vergleich zum Index. Nur so kann ein Fondsmanager eine bessere Rendite als der Gesamtmarkt erzielen. Umgekehrt steigt aber auch das ­Risiko einer Abweichung nach unten.

Sharpe-Ratio: Eine der wichtigsten Kennzahlen bei Fonds. Sie zeigt an, mit wie viel Risiko der Fondsmanager seine Rendite erzielt hat. Ein hohes Sharpe-Mass ist ein gutes Zeichen. In diesem Fall hat der Fonds eine vergleichsweise hohe Rendite erwirtschaftet, ohne dafür ein grosses Risiko eingegangen zu sein.

Maximaler Verlust: Diese Angabe kann ebenfalls Hinweise darauf liefern, wie risikofreudig ein Fondsmanager ist. Hier geht es um den maximalen Verlust in Prozent, den der Fonds über eine bestimmte Periode erlitten hat. In schwierigen Börsenphasen ist dies ein Indiz, ob sich der Fondsmanager rechtzeitig gegen einen Kurseinbruch abgesichert hat.