Meinungen

In Rücklage

Die Ausgangslage für das neue Anlagejahr ist schlechter als vor zwölf Monaten. Ein Kommentar von Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Auf defensive Aktien von Unternehmen mit guter Bilanz setzen.»

Wie schön war es doch noch vor einem Jahr. Wir hatten den global synchronisierten Aufschwung. Ob in den USA, China oder Europa, überall sah es danach aus, dass es ein Jahr der Freude wird, auch für die Aktienmärkte. Dass es anders kam, wissen wir mittlerweile. Kaum ein Anleger hat 2018 ungeschoren überstanden.

Dieses Jahr ist die Ausgangslage eine völlig andere. In allen wichtigen Regionen der Welt kühlt sich die Wirtschaft ab. Die aussagekräftigen Frühindikatoren zeigen nach unten. Konjunkturexperten reden nun vom synchron stattfindenden Abschwung. Auch die US-Wirtschaft leidet mittlerweile, nicht zuletzt «dank» des Handelsstreits.

Die Ausgangslage für das neue Anlagejahr ist also ungleich schlechter als vor zwölf Monaten. Das ist nicht gerade beruhigend. Heisst das denn auch automatisch, dass das angebrochene Jahr noch schlechter wird als 2018? Die Frage kann, wie so oft, weder mit einem klaren Nein noch einem Ja beantwortet werden. Doch immerhin mit einem entschiedenen «Es kommt darauf an».

Einerseits ist die Erwartungshaltung der Anleger entscheidend. Während im vergangenen Jahr die Stimmung von himmelhoch jauchzend auf zu Tode betrübt drehte, haben sich viele Investoren mittlerweile damit abgefunden, dass es konjunkturell nicht mehr allzu rosig aussieht. Diese Einsicht könnte den Markt gar stützen. Andererseits ist ausschlaggebend, ob es lediglich bei einer Abkühlung bleiben oder ob die Reise in einer schwereren Rezession enden wird. Die zweite Variante ist zwar ein Aussenseiterszenario, doch völlig ausgeschlossen ist eine tiefere rezessive Phase nicht. Deshalb gilt weiterhin:  den Fuss etwas vom Gas nehmen und sich mit defensiven Aktien von Unternehmen mit solider Bilanz vor der Abkühlung schützen.

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