Märkte / Makro

Industrie wird zum Lichtblick der Eurokonjunktur

Die Industrie in der Eurozone profitiert von der Hoffnung auf einen Nach-Corona-Aufschwung.

(Reuters) In der deutschen Industrie ist es im Februar trotz gestörter Lieferketten so gut gelaufen wie seit über drei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex kletterte inmitten der zweiten Corona-Welle um 3,6 auf 60,7 Punkte, wie das Institut IHS Markit am Montag zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mitteilte. Das Barometer hielt sich damit weit über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. «Dank der positiven Entwicklung des Exportgeschäfts verzeichnete Deutschlands Industrie auch im Februar wieder kräftiges Wachstum», sagte Markit-Ökonom Phil Smith. Besonders die Nachfrage aus China, aber auch aus den USA und Europa habe zugenommen.

Allerdings gebe es auch einen Wermutstropfen. «Der Druck auf die Lieferketten hat sich weiter verschärft», sagte Smith. «Mehr Unternehmen als jemals zuvor in fast 25 Jahren Datenerfassung meldeten Lieferverzögerungen.» Wegen der zweiten Corona-Welle sind Grenzkontrollen eingeführt worden. Industrieverbände warnten deshalb vor einer Unterbrechung der Lieferketten. Wegen Lieferengpässen zogen auch die Einkaufspreise der Unternehmen an. Sie gaben den finanziellen Mehraufwand auch häufiger weiter an ihre Kunden, was zum stärksten Anstieg der Verkaufspreise seit fast zweieinhalb Jahren führte.

Die Industrie hat sich zuletzt als Stütze der Konjunktur erwiesen, da sie vom anziehenden Exportgeschäft profitiert. Sie dürfte aber im laufenden ersten Quartal ein Schrumpfen des Bruttoinlandsproduktes nicht verhindern, da wegen des Lockdowns weite Teile der Wirtschaft – vom Einzelhandel bis zum Gastgewerbe – lahmgelegt sind.

Auch die Industrie in der gesamten Eurozone legte im Februar einen Zahn zu: Hier kletterte der Einkaufsmanagerindex um 3,1 auf 57,9 Punkte und signalisiert damit ebenfalls ein robustes Wachstum. «Die Industrie entwickelt sich seit Jahresbeginn immer mehr zum Lichtblick der Euro-Konjunktur», sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. «Die Unternehmen profitieren momentan von der boomenden Inlands- und Exportnachfrage, angetrieben von Hoffnungen auf einen Nach-Corona-Aufschwung und eine Konsumsteigerung.»

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