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Inflation im Euroraum zieht an

Die Eurozone verzeichnet im März eine deutliche Zunahme der Teuerung. Vor allem die Energiepreise steigen.

(Reuters) Die Inflation in der Eurozone ist auf dem Vormarsch. Die Lebenshaltungskosten verteuerten sich im März binnen Jahresfrist um 1,3%, wie die Europäische Statistikbehörde (Eurostat) am Mittwoch in einer Schnellschätzung mitteilte. Volkswirte hatten mit einer Rate in dieser Höhe gerechnet. Noch im Februar hatte die Teuerung bei 0,9% gelegen. Insbesondere die Energiepreise zogen im März kräftig an, nachdem sie noch im Februar gesunken waren. «Die Inflationsraten werden in den kommenden Monaten in Richtung der Drei-Prozent-Marke marschieren», so die Prognose von Ökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank (VPBN 111.40 -0.54%). Vor allem die im Jahresvergleich deutlich höheren Ölpreise würden der Teuerung einen regelrechten Schub verleihen.

Vom Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt die Rate derzeit jedoch noch weit entfernt. Die Währungshüter wollen knapp unter zwei Prozent Teuerung als Idealwert für die Wirtschaft erreichen. Sie verfehlen dieses Ziel bereits seit Jahren. Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe geht davon aus, dass ein Teuerungsschub nicht von Dauer ist. «Da ein klassisches Inflationsumfeld nicht besteht, wird das höhere Niveau nicht lange halten.» Es liege daher auf der Hand, dass die EZB auch 2022 noch genügend Spielraum haben werde, um mit ultra-expansiver Ausrichtung auf günstige Finanzierungsbedingungen hinzuwirken.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte erst unlängst gesagt, die Notenbank halte es für möglich, dass die Inflation gegen Ende des Jahres die Zwei-Prozent-Marke erreicht. Die Gründe dafür seien aber vorübergehend und technisch, weswegen die EZB durch diese Entwicklung «hindurchsehen» werde.

EZB lässt Anstieg wohl kalt

Die Energiekosten zogen im März um 4,3% an. Im Februar hatten sie sich noch um 1,7% verringert. Ökonom Christoph Weil von der Commerzbank (CBK 6.33 +0.91%) weist zugleich darauf hin, dass die Teuerungsrate ohne die schwankungsanfälligen Preise von Energie, Nahrungs- und Genussmitteln sogar gefallen ist – und zwar von 1,1 auf 0,9%: «Verantwortlich hierfür dürfte die Preisentwicklung bei Bekleidung gewesen sein. Wegen des verzögerten Winterschlussverkaufs aufgrund der Corona-Pandemie fiel der übliche Preisanstieg im März in diesem Jahr aus», so die Erläuterung des Experten. Auch mit Blick darauf dürften die jüngsten Inflationszahlen die EZB nicht von ihrem laxen Kurs abbringen, wie Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba meint. «Sie werden kaum Einfluss auf die Geldpolitik haben, denn die EZB hat bereits angekündigt, einem vorübergehenden Preisanstieg wenig Beachtung schenken zu wollen.»