Märkte / Makro

Inflation in Deutschland schnellt nach oben

Die Teuerungsrate im nördlichen Nachbarland hat weiter angezogen und kratzt nun an der von der EZB angepeilten Zielmarke.

(Reuters) Die Inflationsrate in Deutschland ist zu Jahresbeginn in die Höhe geschnellt und kratzt an der von der EZB angepeilten Zielmarke. Im Januar legten die Verbraucherpreise um 1,9% zu, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten am Montag mitteilte. Im Dezember lag die Teuerungsrate noch bei 1,7%. Insbesondere der anziehende Ölpreis und teurere Nahrungsmittel sorgten dafür, dass sich die Lebenshaltungskosten in Deutschland erhöhten. «

Die Zeit der niedrigen Inflationsraten ist in Deutschland passé», sagte Ökonomin Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Für die Staaten der Währungsgemeinschaft strebt die Europäische Zentralbank mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an, die als ideal für die Konjunktur gilt. Dass der Wert nun in der größten Volkswirtschaft des Euroraums annähernd erreicht wurde, ist Wasser auf die Mühlen der Gegner einer lockeren Geldpolitik. Bundesbankchef Jens Weidmann hat mit Blick auf die anziehende Inflation bereits laut über eine Abkehr von der laxen Linie der EZB nachgedacht.

Die EZB will damit die Konjunktur beflügeln und die unerwünscht niedrige Inflationsrate nach oben treiben. Insbesondere viele deutsche Sparer stecken aber in einem Dilemma. Sie erhalten wegen der Nullzins-Politik der EZB kaum Zinsen. Da die Inflationsrate nun deutlich anzieht, verliert ihr Geld real an Wert. Rentenpapiere sind vielfach keine Alternative, da selbst langlaufende Bundesanleihen kaum Rendite abwerfen.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny rechnet trotz steigender Inflationsraten vorerst noch nicht mit einem Eindämmen der von der EZB ausgelösten Geldflut. Die Währungshüter pumpen seit März 2015 über den Kauf von Staatsanleihen Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem. Erst im Dezember hatten sie das Programm um neun Monate bis Ende 2017 verlängert. Das Gesamtvolumen des Wertpapierprogramms wird dadurch auf 2,28 Bio. € anschwellen. Kritik aus Deutschland an der ultra-lockeren Geldpolitik hat EZB-Chef Mario Draghi mit dem Argument gekontert, die Wirtschaft in der Euro-Zone sei noch auf Unterstützung angewiesen.

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