Märkte / Aktien

«Inflation spricht gegen Anleihen»

Nigel Bolton, Aktienexperte bei BlackRock, sieht den Luxus- und Technologiesektor angesichts der höheren Inflation gut positioniert.

Die Inflationsraten stehen im Fokus der Marktakteure. Sie ziehen an – in den USA und der Eurozone notieren sie nun so hoch wie zuletzt im Jahr 2018. Auch in der Schweiz sind sie gestiegen, wenn auch verhalten. Die wichtigste Frage für Anleger: Muss man sich auf eine langfristig höhere Teuerung einstellen? Nigel Bolton, Chief Investment Officer der Fundamental Equity Group von BlackRock, hält dies für unwahrscheinlich: Das Anziehen der Inflation sei nur vorübergehend.

«Bis Ende nächsten Jahres sollte sich die Angebotslage normalisiert haben, die Knappheit in bestimmten Märkten wird vorübergehen», sagt Bolton. Dann trete auch der Basiseffekt ein, der die Inflationsrate senken werde. Auch eine Knappheit an Arbeitskräften sei auf lange Sicht nicht zu erwarten – «das ist nur ein temporäres Ungleichgewicht».

Doch was ist mit den Stimuluspaketen? Die Notenbanken versprechen weiterhin niedrige Zinsen, auch wenn die Inflation steigt. Die USA und die Eurozone stecken Hunderte von Milliarden in die Stützung der Wirtschaft. Für Bolton ist klar, dass dies einen Inflationseffekt haben wird, aber «die Teuerung wird langfristig dadurch nur begrenzt steigen». Doch: «Wir verlassen das lange anhaltende disinflationäre Umfeld. Das spricht gegen Anleihen und für Realwerte wie Aktien.»

Für Anleger sei aber wichtig, dass es Belastungen für den Gewinn der Unternehmen geben könnte: «Die Regierungen arbeiten daran, die Ungleichheit in der Gesellschaft anzugehen – daraus könnten höhere Löhne und höhere Steuern folgen.» Die bisher gute Gewinnlage habe die Kurse wenig angetrieben – dies sei von den Investoren schon erwartet worden. Nun werde es schwieriger, man müsse angesichts der höheren Inflation besser auswählen: «Am vielversprechendsten sind Unternehmen, die ihre Margen angesichts höherer Inputpreise halten können.»

Um Unternehmen mit stabilen Margen zu finden, könne man sich nicht auf die Auswahl bestimmter Sektoren verlassen, erklärt Nigel Bolton: «Die Autoproduzenten beispielsweise konnten trotz höherer Inputkosten ihre Margen halten, indem sie ihre Produktion eingeschränkt haben und sich auf die höherpreisigen Modelle konzentrieren. Es  könnte noch 18 bis 24 Monate dauern, bis sich hier die Lage normalisiert.» Autozulieferern dagegen habe solch eine Möglichkeit gefehlt, da sie oft Preisnehmer seien.

Mit bestimmten Geschäftsmodellen sei es einfacher, die Margen zu halten – so gebe es «in Nischen wie speziellen Baumaterialen einen begrenzten Wettbewerb». Auch Konsumunternehmen mit starken Marken – etwa im Luxussektor – sowie Technologietitel sollten von der Rohstoffinflation weniger tangiert sein. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

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