Märkte / Anleihen

Inflationsgeschützte Bonds: warum die Kurse fallen

Die Konsumentenpreise steigen in den Industrieländern wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das wäre die ideale Zeit für Linker-Anleihen, trotzdem fahren sie Verluste ein.

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass dies- und jenseits des Atlantiks neue Inflationsrekorde gemeldet werden. Anleger sind gefordert. Der kräftige Preisanstieg frisst die Rendite auf. Als im vergangenen Sommer sechshundert europäische Profiinvestoren befragt wurden, wie sie sich gegen den Inflationsschub schützen würden, antworteten 78%, vermehrt auf Aktien zu setzen. An zweiter Stelle – mit 58% der Antworten – rangierten inflationsgeschützte Anleihen. Ersteres hat sich ausgezahlt. Aber ausgerechnet die Spezialanleihen mit Teuerungsausgleich liefern ein durchwachsenes Ergebnis.

Seit die Inflationsraten Spitzenwerte erreichen, verzeichnen diese Papiere heftige Kursverluste. Im laufenden Jahr haben sie 4% eingebüsst, gemessen am EMTS-Index, der die inflationsgeschützten Staatsanleihen Frankreichs, Deutschlands, Italiens und anderer Euromitglieder abbildet. In den USA fällt die Bilanz nicht besser aus. Zehnjährige TIPS (Treasury Inflation-Protected Securities) notieren aktuell 5% unter dem Niveau von Ende 2021. Wie ist das möglich?

Wie Linker funktionieren

Inflationsgeschützte Anleihen zahlen dem Investor einen fixen Coupon sowie – und das ist das Besondere – einen Zuschlag, der an die Inflationsentwicklung gebunden ist. Deshalb werden sie auch Linker genannt. Ein Beispiel: Sie kaufen für 10’000 € französische OAT€i mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem jährlichen Coupon von 0,25%. Angenommen, die jährliche Inflation beträgt über die gesamte Laufzeit hinweg stabil 2%, dann wird der Coupon pro Jahr um 2% steigen: im ersten auf 0,255% (0,25 multipliziert mit dem Indexfaktor 1,02), im zweiten auf 0,261% (Faktor 1,0404) und so weiter bis 0,305% (Faktor 1,219) im zehnten Jahr.

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