Meinungen

Inflationsinsel Schweiz

Die Teuerung ist auf den höchsten Stand seit 2008 gestiegen. Trotzdem besteht hierzulande keine Inflationsgefahr. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Andreas Neinhaus.

«Inflationsgefahr besteht in der Schweiz keine. Eine andere Frage ist, wie die Konjunktur auf die Energiepreissteigerungen reagiert.»

Auch in der Schweiz nimmt die Inflation zu. Im Januar sind die Konsumentenpreise 1,6% höher ausgefallen als zwölf Monate zuvor. Aber im Vergleich zu den 5,1% im angrenzenden Euroraum oder gar 7,5%, die diese Woche aus den USA gemeldet wurden, sind das Peanuts. In der Schweiz herrscht nach wie vor Preisstabilität. Das Mandat der Nationalbank definiert sie als einen Anstieg der Konsumentenpreise von weniger als 2%. Von den zwölf Hauptgruppen im Warenkorb des Konsumentenpreisindex weisen sieben eine Inflationsrate unter 1% aus, vier davon (u.a. Nahrungsmittel und Gesundheitspflege) sogar eine negative Teuerung.

Verschiedene Puffer helfen seit Jahren, allfällige Inflationsschübe zu dämpfen. Gegenwärtig ist es die Tatsache, dass fossile Energieträger hierzulande weniger wichtig sind als im Ausland. Auch der hohe Anteil von administrierten Preisen – ein Viertel des Index – schützt vor Preisschwankungen, wie wir sie gerade weltweit erleben. Im Januar bremsten sie die Gesamtteuerung; ohne administrierte Preise würde sie 2% betragen.

Die Liberalisierung und Öffnung in Teilmärkten sorgt ebenfalls dafür, dass dort die Preise sinken, statt zu steigen. Und natürlich der starke Franken: Die Aufwertung dämpft die Importpreise, stärkt die Kaufkraft gegenüber dem Ausland und veranlasst Exportunternehmen inklusive Zulieferer, ihre Preise möglichst niedrig zu halten.

Die aktuelle Inflation ist sogar ein bisschen überzeichnet. Denn vor zwölf Monaten bis einschliesslich März 2021 waren die Preise gefallen, es herrschte also Deflation. Dieser Basiseffekt wird noch mindestens zwei Monate anhalten. Inflationsgefahr besteht in der Schweiz trotzdem keine. Eine andere Frage ist, wie die Konjunktur auf die Energiepreissteigerungen reagiert. 40% teureres Heizöl und Gas sowie um ein Fünftel teureres Benzin werden über kurz oder lang Spuren im Wirtschaftswachstum hinterlassen.