Märkte / Makro

Insider-Affäre im Fed zieht weitere Kreise

Im Zusammenhang mit dem Stimulusprogramm QE3 waren marktrelevante Informationen aus der US-Notenbank gesickert. Jetzt haben die Behörden eine Insider-Untersuchung eröffnet.

Christoph Gisiger, New York

Auch das noch: Als ob die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank unter dem Zickzackkurs um eine Zinserhöhung nicht schon genug leiden würde, gerät sie wegen einer brisanten Insider-Affäre nun zusätzlich unter Beschuss.

Wie das «Wall Street Journal» auf Basis anonymer Quellen berichtet, untersuchen die Justizbehörden des südlichen Distrikts von New York und die Handelsaufsicht CFTC ein Informationsleck, das in der breiten Öffentlichkeit bisher kaum thematisiert wurde.

Im Zentrum der Affäre steht der private Anlegerberatungsdienst Medley Global Advisors, der vorab Hedge Funds und andere institutionelle Investoren zur Klientel zählt. Einen Tag bevor die US-Notenbank ihr Protokoll zur Sitzung vom September 2012 veröffentlicht hatte, verschickte Medley-Analystin Regina Schleiger einen speziell heissen Bericht.

Darin stand, dass im innersten Kreis der US-Währungshüter intensiv über eine Ausweitung des Stimulusprogramms QE3 diskutiert werde. Prompt riss der damalige Notenbankchef Ben Bernanke dann Ende Jahr die Schleusen noch mehr auf und erweiterte QE3 um den Kauf von US-Staatsanleihen (lesen Sie hier die Details dazu).

Pikant ist an der Affäre zudem, dass sich die heutige Notenbankchefin Janet Yellen damals mit Medley-Analystin Schleiger getroffen hat. Yellen war zu dieser Zeit als Vizepräsidentin des Federal Reserve tätig. Allerdings fand das fragliche Treffen gemäss ihrem Kalender bereits im Juni statt.

Das Informationsleck ist seit Monaten auch ein Thema im amerikanischen Kongress. Bislang verweigert Yellen den Parlamentariern jedoch nähere Auskünfte. Das mit dem Verweis auf das laufende Rechtsverfahren. Auch an der Pressekonferenz nach der letzten Zinssitzung wollte sich die Fed-Chefin nicht zu den Ermittlungen äussern.