Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Vorsorge
Zum Thema: Welche Pensionskassen tüchtig Zins zahlen

«Institutionelle Anleger ersetzen die Banken»

Alexander Ott, Darlehenspezialist von Partners Group, preist das Risiko-Rendite-Profil alternativer Zinsanlagen als vorteilhaft.

Die Zuger Partners Group (PGHN 1'323.50 -1.93%) bietet privatmarktliche Anlagelösungen für Pensionskassen, Staatsfonds und begüterte Familien. Im ersten Semester haben ihre Spezialisten 5,6 Mrd. $ Kundengelder in neue nichtbörsliche Anlagen investiert. Rund ein Drittel davon ist in Kreditfinanzierungen bzw. Private Debt geflossen.

Herr Ott, Partners Group hat im ersten Semester mehr Kundengelder in neue Darlehen als in neue einzelne Private-Equity-Firmenkäufe gesteckt. Wie kommt das?
Die Gelder institutioneller Anleger ersetzen zunehmend die Banken. Der Markt weitet sich rasch aus, seit viele Geldhäuser wegen zusätzlicher regulatorischer Vorgaben ihr Kreditgeschäft zurückschrauben. Wir finanzieren für unsere internationalen institutionellen Anleger, worunter auch Schweizer Pensionskassen fallen, gerne dann, wenn für Firmenübernahmen Fremdkapitalgeber gesucht sind – grundsätzlich aber nur für Buyout-Transaktionen anderer Private-Equity-Häuser, um frei von Interessenkonflikten zu sein.

Für Anlagekunden sind solche Darlehensfinanzierungen risikoreich und illiquid. Was bleibt am Ende als Nettorendite?
Institutionelle Investoren müssen schon zu langfristigen Anlagen bereit sein. Wir investieren seit 2003 in diese Anlageklasse, und  unsere Anlagekunden haben auf vorrangig gesicherten Buyout-Darlehen im Jahresschnitt lediglich 0,1% des Volumens als Forderungsausfall in Kauf nehmen müssen. Auf neuen und vorrangig besicherten Krediten im mittleren Marktsegment liegt die Nettorendite auf 4 bis 5%.

Dem stehen aber in der Regel die hohen Gebühren gegenüber, die Anbieter wie Partners Group verlangen.
Kreditfinanzierungen im Privatmarkt haben allgemein geringere Verwaltungsgebühren als Private Equity (PEHN 99.00 -1.00%). Wir bauen dafür Kreditportefeuilles, die an den Börsen so nicht zugänglich sind und zudem ein besseres Risiko-Rendite-Profil besitzen.

Wie leicht gerät man als Anleger in Finanzierungen mit enormem Kredithebel?
Die in neuen Deals gesuchte Finanzierungsstruktur ist einer der wesentlichen Gründe, weswegen wir Transaktionen ablehnen. Der Markt wird kompetitiver, und nicht alle Finanzierungsanbieter gehen gleich vorsichtig vor. Wir finanzieren mittelgrosse stabile Unternehmen, die bei der Übernahme einen moderaten Verschuldungsgrad aufweisen.

Das eingangs erwähnte grosse Neuvolumen der Partners Group kann darauf deuten, dass nachlässiger vorgegangen wird.
Das ist bei uns nicht so. Unser starkes Volumenwachstum auf der Investitionsseite kommt daher, dass wir die Kapazitäten im Kreditgeschäft ausgebaut haben. Wir führen heute für Anlagekunden Einzeltransaktionen von weit über 100 Mio. Fr. eigenständig durch. Bei Finanzierungen von über 300 Mio. Fr. brauchen wir tendenziell einen weiteren Investitionspartner.

Der anhaltend hohe Geldzufluss ins Privatmarktsegment provoziert doch, dass wie zuletzt vor der Finanzmarktkrise Deals mit überrissenem Preis durchkommen.
Der Eigenkapitalanteil bei Buyout-Transaktionen ist wegen steigender Bewertungen gewachsen, während die Fremdfinanzierung relativ stabil blieb. Im Darlehensgeschäft werden heute vorrangig besicherte Kredite – wie zuletzt 2007 – in bis zu fünffacher Höhe des Betriebsgewinns des Schuldnerunternehmens gewährt. Der durchschnittliche Eigenkapitalpuffer in europäischen Transaktionen liegt aber bei 47%, verglichen mit 34% 2007.

Fällt aber wegen des Wettbewerbsdrucks die künftige Rendite für die Anlagekunden bald unten durch?
Die Zinsmarge steht zweifelsohne unter Druck. Im zurückliegenden Quartal ist der Durchschnittswert jedoch wieder leicht gestiegen. Seit 2008 sind für vorrangig besicherte Buyout-Kredite Zinsmargen zwischen 5,5 und 3,5% statistisch festgehalten. Heute liegt die Zinsmarge bei etwa 3,7%. Wichtig für Pensionskassen und andere institutionelle Anleger ist jedoch die Wertstabilität ihres Gesamtportefeuilles: Privatmarktdarlehen basieren auf variablem Zins, zumeist Libor plus Marge. Der Wert solcher Darlehen nähme bei einem Anstieg der Marktzinsen zu, kotierte Obligationen hingegen verlören dann an Wert.

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