Zum Thema: Der Ölpreiszerfall fordert seinen Tribut

Integrierte Ölkonzerne zeigen sich robuster

Öl- und Gaskonzerne profitieren bei der Raffinierung von den tiefen Erdölpreisen.

 Die Aussichten für Öl- und Gaskonzerne sind wegen des gesunkenen Ölpreises nicht rosig. Die tiefe Notierung des Erdöls drückt auf die Gewinnaussichten der integrierten Ölkonzerne. Dementsprechend gaben die Titel nach dem Treffen der Opec am Donnerstag durchs Band nach. Panik ist aber nicht angebracht. Integrierte Ölunternehmen wie BP, Shell oder Total (TTE 42.48 +1.13%) leiden weniger unter der tieferen Notierung des schwarzen Goldes als die Bohrunternehmen, da sie nicht nur in der Förderung, sondern auch in der Veredelung des Erdöls, also der Raffinierung, tätig sind.

Während im Upstreamgeschäft (Exploration und Produktion) die operativen Cashflows und die Gewinne mit dem sinkenden Ölpreis zurückgehen, steigen die Margen im Downstreamgeschäft (Raffinierung und Marketing) dank der tieferen Inputkosten. Der Einfluss zeigte sich bereits im Ausweis zum dritten Quartal. Shell, BP, Total, Chevron (CVX 113.95 -1.04%) und ExxonMobil (XOM 60.60 -1.11%) erwirtschafteten im dritten Quartal zwischen 14 und 29% im Downstreamgeschäft. Der Gewinn konnte bei der Raffinierung im Vergleich zum dritten Quartal 2013 durchs Band gesteigert werden.

Andererseits ging der Gewinn im Upstreamgeschäft bei allen Unternehmen ausser Shell zurück. Das Ergebnis des niederländisch-britischen Konzerns profitierte davon, dass Förderprojekte mit höherer Marge den Betrieb aufnahmen, die Kosten für die Exploration zurückgingen und für Gas mehr gelöst werden konnte. Analyst Michael Romer von J. Safra Sarasin findet darum auch: «Shell ist vermutlich am besten dran, mit der solidesten Bilanz und einem bereits gut aufgestellten Portfolio – auch für zukünftiges Wachstum.» Da der Preis des Erdöls seit Anfang September weiter nachgegeben hat, dürfte der Effekt im vierten Quartal ebenfalls zu spüren sein. Romer erwartet für die integrierten Öl- und Gasunternehmen «kein gutes viertes Quartal».

Die Ratingagentur Moody’s hat diese Woche den Ausblick für den Sektor auf neutral gesenkt und geht für nächstes Jahr von einem Nullwachstum auf Ebitda-Stufe aus. Moody’s betont, dass viele Unternehmen den Fokus aber bereits auf Kosteneinsparungen gelegt hätten und von grossen Investitionen zurückgetreten seien. Im Vordergrund stehen für die Unternehmen darum weiterhin die Generierung von operativem Cashflow sowie das Einhalten der Ziele zur Verschuldung. Gegebenenfalls müssen dafür Investitionen gestoppt werden, falls die zugrundeliegenden Annahmen für den Ölpreis zu optimistisch waren.

Das integrierte Geschäftsmodell macht die Öl- und Gaskonzerne robuster, reduziert aber auch das Aufwärtspotenzial in einem Aufschwung. Die Unsicherheiten im aktuellen Umfeld sind gross, und eine Investition eignet sich nur für risikofreudige Anleger.