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Intel setzt auf Eigenproduktion

Der weltgrösste Chipkonzern behält die Eigenproduktion seiner Prozessoren grösstenteils bei und profitiert von der steigenden Nachfrage während der Coronakrise.

(Reuters) Der weltgrösste Chipkonzern Intel will nun doch seine Prozessoren weiterhin grösstenteils in eigenen Fabriken herstellen. Die meisten Produkte für 2023 würden in Intel (INTC 60.74 +4.13%)-Werken gefertigt, kündigte der designierte Firmenchef Pat Gelsinger in der Nacht zu Freitag an. Er übernimmt Mitte Februar das Ruder bei Intel. Für die Zukunft stellte er allerdings eine engere Zusammenarbeit mit Auftragsfertigern in Aussicht und sprach von einem zweigleisigen System. Anleger waren enttäuscht, dass Intel nicht radikaler auf Auftragsfertiger wie Taiwan Semiconductor Manufacturing oder Samsung (SMSN 1'786.00 -2.24%) Electronics setzt. Die Aktie gab rund 5% nach. «Sie sitzen das Problem aus», sagte Analyst Patrick Moorhead von Moor Insights & Strategy.

Zuletzt sorgte die deutlich höhere Nachfrage nach PCs und Laptops dafür, dass Intel trotz Rückschlägen durch Produktionsprobleme und den scharfen Wettbewerb wieder besser durch die Corona-Krise kam. Im vierten Quartal fiel der Umsatz um 1% auf 20 Mrd. $. Dies lag 2,6 Mrd. $ über den eigenen Erwartungen und dürfte Intel Schwung für den Führungswechsel geben, wenn VMware-Chef und Intel-Veteran Gelsinger den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Bob Swan ablöst. Die Quartalsergebnisse wurden am Donnerstag unüblicherweise kurz vor US-Börsenschluss veröffentlicht. Man gehe einem «unberechtigten» Zugriff auf einige Zahlen nach, hiess es. Die «Financial Times» zitierte Finanzchef George Davis damit, dass Hacker am Werk waren.

Gelsinger muss vor allem die Probleme bei der Entwicklung einer neuen Generation von Prozessoren in den Griff bekommen. Nach Verzögerungen bei den 10-Nanometern-Vorgängern ist Intel nun auch bei der 7-Nanometer-Chip-Technologie spät dran. Seit Juli prüft das Unternehmen die Auslagerung von Produktionsprozessen – vor allem bei Hauptprozessoren. Bereits jetzt gehört Intel zu den wenigen Chipkonzernen, die nicht nur entwickeln, sondern auch noch selbst herstellen, was deutlich höhere Kosten bedeutet. Konkurrenten wie AMD überlassen das längst Auftragsfertigern. Allerdings gibt es aktuell Bemühungen der US-Regierung, die Chipfertigung in den USA zu fördern.

Für das laufende Quartal gibt sich Intel zuversichtlich. Die Nachfrage nach dem Angebot für Computer sei weiterhin «sehr stark» und die Fokussierung auf Wachstumschancen zahle sich aus, sagte der scheidende Firmenchef Swan. Nun geht Intel davon aus, einen bereinigten Umsatz in den drei Monaten zu Ende März von 17,5 Mrd. $ und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 1,10 $ zu erzielen. Das ist mehr als von Analysten erwartet.

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