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Interroll erzielt einen Rekordgewinn

Analyse | Die Investitionen in Wachstum bleiben hoch, denn die Aussichten für die Lagerlogistik sind intakt.

Der Anbieter von Technik für die Lagerlogistik Interroll (INRN 1548 -3.25%) hatte im Januar bei der Vorstellung der Umsatzzahlen einen Gewinnzuwachs von mindestens 5% in Aussicht gestellt. Das nun publizierte Jahresergebnis weist ein tatsächliches Plus von 8,2% aus. Damit erreichte der Gewinn 56 Mio. Fr., und die Gewinnmarge kletterte auf 10%. Es sei das erste Mal in der Unternehmensgeschichte, dass diese Marge zweistellig sei, sagte CEO Paul Zumbühl an der virtuellen Bilanzmedienkonferenz mit einem gewissen Stolz. Während sich die Finanzgemeinde wegen des Umsatzes von 560 Mio. Fr. enttäuscht gezeigt hatte, weil der Rekord aus dem Vorjahr nicht übertroffen, sondern nur gehalten worden war, hat sie jetzt ob des Rekords in einer anderen Disziplin wieder Grund zur Freude.

Weitere Kennzahlen haben sich ebenfalls erfreulich entwickelt. So stieg die Nettoliquidität um 47,9% von 52 auf 76,9 Mio. Fr. Vorräte und Debitoren wurden abgebaut und das Nettoumlaufvermögen reduziert. In der Folge erreichte der operative Cashflow mit 99,6 (i.V. 67,4) Mio. Fr. einen neuen Höchststand. Trotz der von 28,6 auf 33,6 Mio. Fr. gestiegenen Investitionen legte der freie Cashflow auf 66,9 (i.V. 40,9) Mio. Fr. zu. «Der Cashflow kann aber nicht jedes Jahr so hoch sein», sagte Zumbühl, um die Erwartungen zu dämpfen

Fehlende Grossaufträge

In den Regionen verlief das Geschäftsjahr 2019 uneinheitlich: In Europa, dem Nahen Osten und Afrika (Emea) stieg der Umsatz um 4,4% und in Asien um 12,9%. In Amerika ging er um 13,8% zurück, da es anders als im Vorjahr keine neuen Aufträge für Grossprojekte gab.

Abgesehen von den fehlenden Grossaufträgen verlangsamte sich die Geschäftsdynamik in der zweiten Jahreshälfte in allen Märkten. Entsprechend bildete sich der Auftragseingang im Geschäftsjahr 2019 um 7,8% zurück. Der Rückgang sei aber weniger deutlich ausgefallen als am Ende des ersten Halbjahres erwartet, sagte der CEO. Mit 546,5 Mio. Fr. liegt er immer noch deutlich über den Jahren zuvor. Sein durchschnittliches Wachstum über die letzten fünf Jahre beträgt stattliche 9,3%.

Neue Kapazitäten

Damit das so weitergeht, stützt sich Interroll seit geraumer Zeit auf die drei Wachstumssäulen Innovation, Service und geografische Expansion. Um zu expandieren, nimmt sie viel Geld in die Hand. So steht in den USA ein zusätzliches Werk für Sortieranlagen kurz vor der Fertigstellung. 11 Mio. $ fliessen in den Neubau. Im deutschen Mosbach entsteht für 45 Mio. € eine neue Fabrik, da das bestehende Werk ausgelastet ist. Das gemietete Werk in Suzhou, China, soll im Jahr 2022 geschlossen und durch eine neue, firmeneigene Produktionsstätte ersetzt werden. Die Investitionssumme beträgt 181 Mio. Yuan (25 Mio. Fr). Die Produktionskapazität in der Region Asien-Pazifik wird sich damit deutlich erhöhen.

Besonderes Augenmerk richtet Interroll auf die Digitalisierung. «Wir sind mitten im Internet der Dinge», fasste der Leiter Produkte und Technologie, Jens Strüwing, den Stand der Entwicklungen zusammen. Er war – durchaus innovativ – der als Webcast organisierten Medienkonferenz aus Deutschland live zugeschaltet. Zum einen gehe es um die Digitalisierung der Produkte, zum anderen aber auch um die Digitalisierung der eigenen Produktionsprozesse. So stünden schon heute kollaborative Roboter, Cobots genannt, in der Produktion, die mit den Mitarbeitern Hand in Hand arbeiteten.

Keine Kurzarbeit

Wachstum kostet zunächst einmal Geld. Nach Aussage von CEO Zumbühl sollen in diesem und im nächsten Jahr jeweils 50 bis 60 Mio. Fr. investiert werden und im Jahr 2022 nochmals 40 bis 50 Mio. Fr. «Die Aussichten für die Intralogistik sind intakt», sagte er zur Begründung der überdurchschnittlich hohen Investitionssummen.

Zur Lage in China sagte Entwicklungschef Strüwe, es habe in den ersten zwei Monaten eine Delle gegeben. Sie könne aber im Laufe des Jahres wettgemacht werden. Mittlerweile laufe die Produktion wieder auf nahezu 100%. Zumbühl schloss für den Hauptsitz und Produktionsstandort Sant’Antonino im Tessin Kurzarbeit aus: «Wir haben Grenzgänger aus Italien in Hotels untergebracht und einige Pensionäre reaktiviert.» Es werde zwar Verschiebungen bei Lieferterminen geben, aber Interroll sei stets lieferbereit.

Beim Ausblick zeigt sich Interroll vorsichtig optimistisch. «Mit Volatilität müssen alle zurechtkommen», so Zumbühl. Der Start ins Geschäftsjahr 2020 sei positiv verlaufen, und mittelfristige bleibe die Marktnachfrage stark. Davon ist auszugehen, denn Schätzungen zufolge sind global betrachtet erst 30% aller Lager automatisiert. Der Rest wird noch in Handarbeit betrieben. Automatisierung senkt die Kosten drastisch und steht daher auf der Agenda vieler Unternehmen weit vorne. Die Interroll-Aktien sind im turbulenten Markt aktuell niedrig bewertet, was für langfristig orientierte Anleger als Kaufgelegenheit gesehen werden kann.

Die komplette Historie zu Interroll finden Sie hier. »

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