Meinungen

Intransparente Nationalbank

Die SNB sieht die riesigen Devisenreserven als Provisorium – daher fehlt es an Institutionalisierung. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Faktisch hat die Schweiz einen der grössten Staatsfonds der Welt.»

Faktisch hat die Schweiz einen der grössten Staatsfonds der Welt. Er wird aber nur verschämt bewirtschaftet, und über die Zusammenstellung wird nur spärlich kommuniziert. Die Rede ist natürlich von der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Dort sitzen mehr als 1 Bio. Fr. an Anlagen, in erster Linie 960 Mrd. Fr. an Wertschriften in Fremdwährung. Umgerechnet auf jeden Einwohner in der Schweiz sind das über 110’000 Fr.

Bei solchen Summen ist das Interesse gross, wie die SNB an den Finanzmärkten agiert. Aktien machen 23% der Aktiva aus, davon ist aber ausschliesslich die Zusammenstellung der US-Titel einsehbar – und das nur, weil die amerikanische Wertpapieraufsicht es so verlangt. Gegenüber der Öffentlichkeit wiederholen die Schweizer Währungshüter nur mantrahaft: «Wir ­investieren marktneutral.»

Gegen dieses Mantra spricht, wenn ­bestimmte Aktien aus dem Portfolio verschwinden – wie nun die des chinesischen Internethändlers Alibaba. Man darf spekulieren, dass es dafür einen vernünftigen Grund gibt. Womöglich hat man in Alibaba-Aktien in Hongkong umgeschichtet, um der Gefahr einer Dekotierung chinesischer Titel an den US-Börsen Rechnung zu ­tragen. Doch die selbstverordnete ­Intransparenz der SNB erlaubt es ihr nicht, dies öffentlich darzulegen.

Die Nationalbank sieht ihr Wertschriftenportfolio – anders als etwa der norwegische Staatsfonds – nicht als Volksvermögen, sondern als ständig liquidierbare Devisenintervention. Deswegen betrachtet die SNB das Riesenaktienportfolio als temporär und will eine öffentlich zu diskutierende Institutionalisierung vermeiden. So bleibt das Billionenprovisorium im Dunkeln.