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Investment Banking verhilft Deutscher Bank zu Gewinnsprung

Das grösste deutsche Geldhaus zeigt sich angesichts des Zuwachses im Investment Banking etwas zuversichtlicher für das Gesamtjahr.

(Reuters) Nach dem besten Jahresstart seit 2014 wächst bei Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing die Zuversicht. «Wir können nicht nur auf ein hervorragendes Quartal zurückschauen, auch der Ausblick stimmt optimistisch», sagte der 51-Jährige am Mittwoch. Dank der aufgehellten Konjunkturaussichten und des weltweiten Börsen-Booms hob er die Ziele für das Gesamtjahr an. Die Aktien kletterten um bis zu 9,5% und waren Spitzenreiter im Dax (DAX 15'150.22 +0.2%).

«Wir haben den Grundstein dafür gelegt, dass unsere Bank wieder nachhaltig profitabel wird», schrieb Sewing in einem Brief an die knapp 85.000 Mitarbeiter des Konzerns. Im ersten Quartal verdiente das grösste deutsche Geldhaus unter dem Strich 908 Mio. € nach einem Verlust von 43 Mio. € vor Jahresfrist. Es war der höchste Quartalsgewinn seit Anfang 2014 und acht mal mehr als die Bank im ganzen Jahr 2020 verdiente. Haupttreiber war erneut das Investmentbanking, aber auch das Privat- und Firmenkundengeschäft sowie die Vermögensverwaltung übertrafen die Erwartungen der Analysten.

Besonders gut lief es im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen sowie in der Beratung bei Börsengängen und dem neuen Trend mit sogenannten SPACs, den leeren Börsenmänteln. Teilweise waren die Zuwächse höher als bei den US-Rivalen wie Goldman Sachs (GS 358.53 -0.39%) und JPMorgan. Konzernweit legten die Erträge um 14% auf 7,2 Mrd. € zu, gleichzeitig sanken die Kosten.

Mehr nachhaltige Erträge im Investmentbanking

«Das Ergebnis überrascht positiv, in jeglicher Hinsicht», sagte Fondsmanager Andreas Thomae von der Investmentgesellschaft Deka, einer der Grossinvestoren des Instituts. «Mit den hohen Einnahmen aus dem Investmentbanking gewinnt die Deutsche Bank (DBK 11.59 +2.35%) die notwendige Zeit, ausfallende Kredite abzufedern und in einer Phase noch sehr lange tiefer Zinsen schneller wieder aus der pandemiebedingten Delle herauszukommen», ergänzte Analyst Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets (CMCX 453.50 -1.31%). «Die schlechten Jahre könnten vorüber sein.» Die Experten von JPMorgan und der Citigroup (C 74.90 +0.04%) rechnen dennoch nicht damit, dass Sewing das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 8% bis Ende 2022 erreichen wird. Im ersten Quartal kam die Bank auf eine Rendite von 7,4% – eine massive Verbesserung im Vergleich zu den 0,2% Ende 2020.

Sewing zeigte sich demonstrativ optimistisch: «Die Ergebnisse bestärken uns in unserer Erwartung, dass wir unsere Ziele für 2022 erreichen werden.» Eine konkrete Gewinnprognose für das laufende Jahr traute er sich nicht zu, stellte aber nun unveränderte statt leicht sinkende Erträge in Aussicht. In der Investmentbank erwiesen sich immer mehr Erträge als nachhaltig, argumentierte er. Zudem seien die Belastungen durch niedrige Zinsen im Privat- und Firmenkundengeschäft weniger stark. Auch die wirtschaftlichen Aussichten hätten sich verbessert. Die Risikovorsorge soll mit rund 1,2 Mrd. € um etwa 600 Mio. € geringer sein als vergangenes Jahr.

Verschont von Hedgefonds-Kollaps

«Es bleibt abzuwarten, ob die Risikovorsorge im Hinblick auf die uns erst noch bevorstehenden Folgen der Corona-Pandemie ausreichen wird», gab Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW (DBI 17.78 -3.24%)) zu bedenken. Grundsätzlich erweise sich die Strategie der Bank aber als richtig. Die Mitte 2019 eingeleitete Neuausrichtung, der rund 18.000 Jobs zum Opfer fallen, trage Früchte.

Im Gegensatz zu Rivalen wie Credit Suisse (CSGN 9.23 +1.81%) und UBS (UBSG 13.80 +1.28%) blieb die Deutsche Bank vom Kollaps des Hedgefonds Archegos verschont. Sie ist aber indirekt von der Pleite der in Bremen ansässigen Greensill Bank betroffen und muss den Einlagensicherungsfonds der privaten Banken wieder mitauffüllen, der Sparer mit rund 3 Mrd. € entschädigte. Daher rechnet die Bank in den kommenden Quartalen mit höheren Kosten. Auch durch Beiträge für den Europäischen Abwicklungsfonds könnten Zusatzbelastungen auf die Bank zurollen. Bislang hat Sewing für Ende 2022 Kosten von 16,7 Mrd. € in Aussicht gestellt, also 4,5 Mrd. € weniger als Ende 2020.

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