Meinungen

Irans Wirtschaft unter Druck

Die US-Sanktionen gegen Iran nützen indirekt China. Ein Kommentar von Cornelia Meyer.

Cornelia Meyer
«Westliche Staaten sollten es sich überlegen, ob es in ihrem langfristigen Interesse liegt, den Iran mit seinen Ressourcen und seiner hochgebildeten Bevölkerung weiter in die Arme Chinas und Russlands zu treiben. »

Im Mai hat US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit Iran aufgekündigt, den sogenannten Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA). Zur gleichen Zeit wurden umfangreiche Sanktionen angekündigt, zuerst ab drei Monaten, dann ab sechs. Seit dem 7. August ist nun der Handel mit Dollar, Gold (Gold 1213.26 0.18%), anderen Metallen, Autos, Pistazien und Perserteppichen mit den USA untersagt. Ab dem 4. November wird auch nicht mehr mit Öl gehandelt werden.

Die anderen Vertragspartner – Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, China und Russland – bewerten das JCPOA weiterhin als strategisch wichtig und wollen sich daran halten. Die EU hat sogar angekündigt, sich schützend vor Unternehmen zu stellen, die weiterhin Handel mit dem Iran betreiben wollen sowie diese auch vor den rechtlichen Konsequenzen zu schützen.

Trotz alledem wird sich der Ölmulti Total (FP 50.17 0.89%), der bereits 1 Mrd. $ ins Ölfeld South Pars investiert hat, vom Engagement à fonds perdu abwenden. Desgleichen werden Daimler (DAI 51.06 -2.35%), Volkswagen (VOW 168 2%), PSA und Renault ihre geplanten Investitionen zurückziehen oder auf Eis legen. Ferner werden Airbus (AIR 93.97 0.01%) und Boeing (BA 341.57 -0.91%) Transaktionen im Betrag von Hunderten Millionen Dollar stornieren müssen.

Die Rechnung ist einfach für diese Gesellschaften: Iran ist zwar ein Markt von 82 Mio. Einwohnern, doch der US-Markt ist viel grösser. Ein Beispiel: Während sich Deutschlands Handelsvolumen mit den USA 2017 auf 118 Mrd. $ belief, betrug dasjenige mit Iran nur 3 Mrd. $.

Das Embargo des Dollarhandels ist besonders einschneidend, vor allem ab November, wenn aller Verkehr mit der iranischen Zentralbank untersagt wird. Kein Finanzinstitut kann es sich leisten, vom lukrativen US-Markt abgeschnitten zu werden. Dies gilt für Banken wie für Versicherungen. Es wird immer schwieriger werden, Schiffe und Fracht von und nach dem Iran zu versichern, was vor allem das Ölgeschäft belasten wird.

Das Ölembargo ist nicht nur für den Iran allein problematisch, weil dieser Rohstoffmarkt angespannt ist. Experten rechnen damit, dass ab November weniger Öl auf den Weltmarkt gelangen wird, was, was zu Preisanstieg führen wird.

Die iranische Wirtschaft kränkelt auch ohne US-Sanktionen. Der von Präsident Rohani versprochene Konjunkturschub nach der Unterzeichnung des JCPOA blieb weitgehend aus. 2017 war Irans Wirtschaft gar 1,8% geschrumpft. Die generelle Wirtschaftslage, Korruption sowie mangelhafte Strom- und Wasserversorgung führten zu Unmut in der Bevölkerung und zu Demonstrationen.

Westliche Staaten sollten es sich überlegen, ob es in ihrem langfristigen Interesse liegt, den Iran mit seinen Ressourcen und seiner hochgebildeten Bevölkerung weiter in die Arme Chinas und Russlands zu treiben. Vor allem China baut mit der Initiative «One Belt, One Road» seine Dominanz in Asien aus. China hat seit Anfang des Jahres zudem die Möglichkeit, Öltermingeschäfte in Renminbi abzuwickeln und somit hier die US-Sanktionen zu umgehen.

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