Grundsätzlich gilt: Je trockener das Klima, desto weniger Pflanzenschutz ist vonnöten. So kann in gewissen Regionen (wie beispielsweise Toro in Spanien) in vorteilhaften Jahren fast ganz auf das Ausbringen von Spritzmitteln verzichtet werden. Je feuchter die Witterung jedoch ist, desto grösser ist die Gefahr von Pilzkrankheiten und umso wichtiger ist der Pflanzenschutz.

Im Bordelais betrugen die Niederschläge von Dezember 2017 bis Mai 2018 800mm, so viel wie sonst in einem ganzen Jahr verzeichnet werden. Diese steten Regenfälle führten in der ersten Jahreshälfte zu gravierenden Problemen mit der Pilzkrankheit «Falscher Mehltau», welche die Qualität der Trauben stark beeinträchtigen kann. Ein bisschen lässt sich das feucht-tropische Frühjahr 2018 im übertragenen Sinn mit einer heftigen Lungenentzündung vergleichen, bei der nur noch Antibiotika helfen. So gab der Direktor von Château Palmer, Thomas Duroux, unumwunden zu, dass die Biodynamie in derart extremen Jahren wie 2018 nicht funktioniert und sie sich überlegen müssen, wie sie inskünftig solche Herausforderungen angehen. Palmer erntete beispielsweise lediglich 11 hl/ha, wohingegen Château Margaux einen grandiosen Wein bei 37 hl/ha hervorbrachte.

Gabriel Vialard, der technische Direktor des zum Teil biologisch bewirtschafteten Château Haut-Bailly, räumte mit erstaunlicher Offenheit ein, dass eine einzige systemische Spritzung den Ertrag von 21 hl/ha bei mindestens gleich hoher Qualität verdoppelt hätte. Zum Vergleich: Das nicht allzu weit entfernte Haut-Brion erntete einen exzellenten Wein bei einem Ertrag von 45 hl/ha.

Grundsätzlich wird im Pflanzenschutz unterschieden zwischen Kontaktmitteln, die aussen auf der Rebe aufgebracht werden, teilsystemischen Mitteln (der Wirkstoff verteilt sich nur in der äusseren Blattschicht) und systemischen Mitteln (der Wirkstoff wird über den Saftstrom von der ganzen Pflanze aufgenommen). Kontaktmittel, wie beispielsweise Kupfer, das auch im biologischen Rebbau zugelassen ist, sind viel preiswerter und werden von aussen auf die Pflanze gesprüht.

Kupfer bekämpft den «Falschen Mehltau» effektiv. Diese Pilzkrankheit wurde 1878 von Nordamerika eingeschleppt und verursacht seither beträchtliche Schwierigkeiten im Rebbau. Bereits 1885 setzte man im Bordelais erfolgreich als erstes Fungizid die sogenannte Bordeauxbrühe ein, eine Mischung aus Kupfersulfat, Kalk und Wasser.
Sie hat den Vorteil, dass sich keine Resistenzen und relativ wenig Rückstände im Wein bilden.
Die Nachteile sind die über die Jahre massive Anreicherung von Schwermetall im Boden mit entsprechenden toxischen Auswirkungen auf Bodenorganismen, die Begleitflora und nicht zuletzt auf die Reben selbst.

Die Bodenfruchtbarkeit wird langfristig beeinträchtigt, umso mehr, als bei häufig wiederkehrenden Regenschauern auch öfter behandelt wird. So mussten Bio-Winzer 2018 viel mehr Spritzungen durchführen als konventionell arbeitende Betriebe. Nicht nur das Kupfer, sondern auch die dieselbetriebenen Traktoren, die in den durchnässten Böden zu starken Verdichtungen führen, sind Begleiterscheinungen, die gerne verschwiegen werden.

Hinzu kommt, dass im Frühjahr die rasch wachsenden Triebe ungeschützt sind. Hier greifen die systemischen und teilsystemischen Fungizide, deren Wirkstoffe von der Pflanze aufgenommen werden. Dadurch sind sämtliche Pflanzenteile, also auch die frisch gewachsenen Triebe, nach dem Ausbringen des Mittels gut und deutlich länger geschützt.
Ihr grosser Nachteil ist indes, dass sich bei wiederholtem Einsatz schnell Resistenzen bilden. Sie sollten daher nur selten, in problematischen Wettersituationen und mit wechselnden Wirkstoffen (Aluminiumfosethyl und Kaliumphosphonat) angewendet werden. Erfolgt nach der Blüte kein Einsatz mehr, sind glücklicherweise praktisch keine Rückstände im Wein nachweisbar.

Die Kunst dürfte sein, in derart schwierigen Jahren einen passenden Mix aus Kontakt- und systemischen Spritzmitteln zu finden und die systemischen Applikationen möglichst früh zu stoppen. Insbesondere spät ausgebrachte Botrytismittel im August und September können zu Rückständen im Wein führen.
Ein weiteres Problem im Bordelais – neben der nicht selten hohen Feuchtigkeit im Frühjahr – stellt das Reberziehungssystem dar. Wie ein angesehener, nicht aus dem Bordelais stammender Winzer zu Recht bemerkte, seien die relativ tief am Boden gezogenen Stöcke viel anfälliger auf Pilzkrankheiten, da kontaminierte Erdpartikel bei Regenfällen sehr schnell eine Infektion durch Pilzsporen auslösen können.

Früher war eine tiefe Reberziehung durchaus sinnvoll, weil die Bodennähe mehr Wärme generierte und dadurch eine bessere Reife bewirkte sowie die Bearbeitung mit den Ochsen vereinfachte.
Beides trifft heute nicht mehr zu: Zwischen den Rebzeilen fahren Traktoren (80 Prozent der Rebberge im Bordelais werden zudem maschinell gelesen) und der Klimawandel verlangt eigentlich eine grössere Bodendistanz der Trauben, um überreifes Lesegut zu vermeiden.

Philipp Schwander empfiehlt

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Degustations-Notiz: Leuchtendes Purpur; feines, aber noch jugendlich-zurückhaltendes Bouquet; am Gaumen dicht, sehr elegant und nobel, mit guter Struktur und einer faszinierenden Frucht von dunklen Beeren. Ein überaus inspirierender, klassischer Bordeaux, der noch ein wenig Reife benötigt. Ideal ab Ende 2020, haltbar bis mindestens Ende 2027.

 

Statement der Winzerin: «Das Thema Gesundheit ist mir sehr wichtig», erklärt die energiegeladene ehemalige Ärztin Nicola Allison. «Deshalb habe ich 2004 angefangen, die gesamte Produktion auf biologische Landwirtschaft umzustellen und seit einigen Jahren ist mein Betrieb mit 15 Hektar Rebfläche auch offiziell biozertifiziert.

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